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FS 21: Neue Urbanität in metropolitanen Räumen

Sonntag, 30.09.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 15, NW I

Hans H. Blotevogel (Dortmund)
hans.blotevogel@uni-dortmund.de
Uta Hohn (Bochum)
uta.hohn@rub.de


Das klassische eurozentrische Verständnis von Urbanität orientiert sich am Leitbild der Europäischen Stadt und schließt politische, ökonomische sowie religiöse Elemente ein. Hierzu zählen seit dem Mittelalter Rathaus, Markt und Kirche sowie diese umgebende öffentliche Räume, die zusammen den zentralen Nukleus einer baulich kompakten und multifunktionalen städtischen Mitte bilden, welche den Bewohnern von Stadt und Stadtregion Möglichkeiten der Begegnung und Identifikation eröffnet und damit identitätsstiftend wirkt. Aus der Perspektive eines solchen normativen Leitbilds weisen vor allem polyzentrisch strukturierte metropolitane Räume, die ihre Entstehung der Industrialisierung verdanken, eine "defizitäre Urbanität" auf.

Dieses eindimensionale Verständnis von Urbanität entspricht in post-industriellen westlichen Gesellschaften immer weniger den realen Entwicklungen und wird im Prozess eines globalen Austausches von Urbanitätskonzepten mit Alternativen konfrontiert. Es sind die Metropolregionen, in denen neue Urbanitätstypen und neue städtische Lebensweisen im Kontext eines verschärften Standortwettbewerbs und eines tiefgreifenden ökonomischen wie gesellschaftlichen Wandels zuerst und in besonderer Weise raumwirksam werden. Dabei eröffnen vor allem ehemalige Hafen-, Bahn- und Industrieflächen vielfältige Optionen zur Gestaltung neuer urbaner Räume. Hinzu kommen die zahllosen Projekte der Revitalisierung und Restrukturierung in City- und Cityrandlagen.

Zu beobachten ist eine Heterogenisierung und Fragmentierung von städtischen Lebensweisen, Urbanitätskonzepten und urbanen Räumen zwischen Globalisierung und lokal-kultureller Verankerung. Es entstehen neue urbane Cluster mit spezifischen Standortmustern, Einzugsbereichen, Zielgruppenorientierungen, Repräsentationen und Zeithorizonten. Urbanität wird dabei auch zum Produkt einer Economy of Scope, zum Wettbewerbs- und Standortfaktor bei der Anwerbung von internationalen Investoren und Angehörigen der "kreativen Klasse" bzw. von gut situierten Senioren und jungen Familien, die es im Kontext des demographischen Wandels in den Städten zu halten oder im Prozess der Reurbanisierung aus dem Umland zu gewinnen gilt. Parallel dazu entstehen durch das Handeln zivilgesellschaftlicher Akteure aber auch neue Formen von Urbanität abseits des Primats von Ökonomie und Wettbewerb.

In dieser Fachsitzung soll u. a. folgenden Fragen nachgegangen werden:

  1. Welche Konzepte von Urbanität liegen dem Planen und Handeln öffentlicher und privater Akteure vor dem Hintergrund einer Ökonomisierung der Stadtentwicklung und Kulturalisierung der Ökonomie zugrunde?

  2. Inwieweit kommt es zu einer strategischen Konstruktion von Urbanität und zu einer Produktion neuer urbaner Räume in Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren? Über welche Steuerungsoptionen verfügen die öffentlichen Akteure?

  3. Welche Bausteine einer vermeintlichen europäischen Urbanität werden von Developern in andere Regionen der Erde transloziert und dort in ästhetisierender Form vermarktet, welche in europäischen Projekten reproduziert? Welche Elemente von Urbanitäten anderen kulturellen Ursprungs finden ihren Weg nach Europa?

  4. Auf welche veränderten städtischen Lebensweisen reagieren die "Entwickler" neuer urbaner Räume bzw. welche neuen Bedürfnisse und Verhaltensweisen erzeugen diese Räume bei ihren "Konsumenten"?

  5. Welche Rolle spielen unterschiedliche Lebensstilgruppen und ethnische Zugehörigkeiten bei der Ausgestaltung alternativer Formen von Urbanität und der Aneignung urbaner Räume?

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrJulia Lossau (Berlin): Neue Urbanität und Kunst im öffentlichen Raum

Urbanitätskonzepte im Spiegel unterschiedlicher Formen von Kunst im öffentlichen Raum am Beispiel Glasgow. ...mehr
09:00-09:25 UhrThomas Pohl (Hamburg): Fragmentierte Entwicklung städtischer Teilräume: Die "kreative Klasse" als Motor neuer Urbanität?

Sozialraumanalytisches Monitoring zur Messung quartiersspezifischer Lebensstil- und Wertorientierung. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrFelicitas Hillmann (Bremen): Kopierte Stadtlandschaft mit Altstadtkern - neue Urbanität und sozialräumliche Fragmentierung in Genua

So überzeugend der von außen angestoßene städtebauliche Wandel in Genua ist, die sozialräumliche Entwicklung ist fragil. ...mehr
10:35-11:00 UhrRalph Lützeler (Bonn): Neue Urbanität im Zentrum von Tokyo: Bevölkerungswachstum und Erneuerung von Wohnvierteln am Beispiel des Stadtbezirks Minato

Das Referat beschäftigt sich mit baulichen und sozialen Aufwertungsprozessen in einem citynahen Stadtbezirk von Tokyo seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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