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FS 22: Lokale Antworten auf Deindustrialisierungsprozesse im internationalen Vergleich

Sonntag, 30.09.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 9, NW I

Hans-Joachim Bürkner (Potsdam)
buerkner@irs-net.de
Gesa Helms (Glasgow)
g.helms@lbss.gla.ac.uk


Postindustrielle Ökonomien und die Wissensgesellschaft haben die Städte erreicht, sind aber nicht überall in gleicher Weise präsent. Viele altindustrielle Regionen Europas leiden noch immer unter dem Verlust ihrer Wirtschaftsbasis, ohne dass die Beschäftigungsverluste in ausreichendem Maße kompensiert werden konnten, so etwa in Nordost-England, Oberschlesien und der belgischen Hainaut-Region. Obwohl dem industriellen Niedergang mit Investitionen in Leichtindustrien und neue Dienstleistungsbereiche begegnet wurde, sind die Effekte dieser Strategien für die Lebensverhältnisse der lokalen Bevölkerung eher gering geblieben. Dies lässt sich teilweise auf die Qualität der neu geschaffenen Arbeitsplätze zurückführen: Autoren wie z.B. Jamie Peck (2001) und andere (Toynbee 2003; Warhurst und Thompson 1998) verweisen auf die massive Ausbreitung von Teilzeitbeschäftigung im Dienstleistungssektor, oft verbunden mit niedrigen Entlohnungsniveaus, dem Abbau von Sozialleistungen und Arbeitnehmerrechten sowie der Aushöhlung von Tarifverträgen. Mit der Flexibilisierung der Beschäftigung geht nicht nur eine erhebliche Dequalifizierung lokalen Humankapitals einher, sondern auch eine Verringerung der Arbeitseinkommen. Dieser Befund liegt quer zum Entwicklungsoptimismus von Politikinitiativen, die die Wissensökonomie auf europäischer Ebene fördern wollen.

Im Rahmen der Fachsitzung soll die jüngere Entwicklungsdynamik lokaler Arbeitsmärkte unter dem Eindruck von Deindustrialisierungsprozessen kritisch diskutiert werden. Besonderes Augenmerk wird auf Governance-Prozesse gerichtet, die darauf abzielen, das Problem der fortschreitenden Entwertung der Qualifikationen lokaler Arbeitskräfte zu bearbeiten. Dieses Problem wird aktuell verschärft durch die gewachsene Mobilität hoch spezialisierter, qualifizierter Arbeitskräfte in wissensbasierten Produktions- und Dienstleistungsbereichen). Ebenfalls von Bedeutung sind lokale Antworten auf die Flexibilisierung von Beschäftigung. Mit der Fokussierung auf regionale und lokale Handlungsarenen wird berücksichtigt, dass Spannungen und Konflikte im Zusammenhang mit der Restrukturierung der Arbeitsmärkte Europas vor allem auf der lokalen Ebene ausgetragen und moderiert werden. Die lokale Ebene ist für die Regulation von Arbeitsmärkten vor allem deshalb von entscheidender Bedeutung, weil hier die in der Globalisierung entstehenden sozialen Risiken und existentielle Unsicherheiten konkret fassbar werden und sich in den Lebensverhältnissen der betroffenen Bevölkerung niederschlagen. Darüber hinaus haben die lokalen ~Antworten~ auf Arbeitsmarktentwicklungen in den neuen wissensbasierten Ökonomien jeweils Pilotcharakter für das gesamtgesellschaftliche Management von global induzierten Arbeitsmarktrisiken. Die Konzentration auf Governance-Prozesse ist besonders wichtig, weil soziale Probleme in vielen Ländern auf dem Wege über Reintegrationsprogramme für Arbeitslose (Hartz IV in Deutschland, New Deal in England, Jugendarbeitsgesetz in Frankreich) individualisiert und nicht als lokales Steuerungsproblem begriffen werden.

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrBritta Grell (Berlin): When the East meets the West ... Local employment policies in Berlin since reunification ...mehr
09:00-09:25 UhrZoltán Cséfalvay (Budapest): Arbeitsmarkt als Schlachtfeld von staatlichen und lokalen Politiken - das Beispiel Ungarns

Anhand der EU-mitfinanzierten Projekte werden die Konflikte zwischen staatlichen und lokalen Arbeitsmarktpolitiken zur Beseitigung der Deindustrialisierung am Beispiel Ungarns vorgestellt. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrKean Birch und Vlad Mykhnenko (beide Glasgow): Neo-liberal adjustment? The restructuring of old industrial regions and their cities in the largest countries of Western und Eastern Europe

The paper considers neo-liberal transitions and structural change in old industrial regions and cities of Germany, France, Poland, Spain, the UK and Ukraine. ...mehr
10:35-11:00 UhrNik Theodore (Chicago), Jamie Peck (Madison) und Marc Doussard (Chicago): After deindustrialization: Chicago's search for a new mode of growth

This paper argues how Chicago's recent growth, following deindustrialization, has been uneven, fragile, and built in particular on a foundation of insecure employment. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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