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FS 07: Bäume als Archive und Frühwarnsysteme in der Naturgefahrenforschung

Montag, 01.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 16, NW II

Holger Gärtner (Birmensdorf)
holger.gaertner@wsl.ch
Achim Bräuning (Erlangen)
abraeuning@geographie.uni-erlangen.de


Das Wachstum der Bäume wird maßgeblich durch die Umweltbedingungen des jeweiligen Standortes beeinflusst. Ändern sich diese, spiegelt sich das im Wuchsverhalten und dem daraus resultierenden Jahrringmuster der Bäume wider. Die Analyse dieser Jahrringbreitenvariationen ermöglicht die Rekonstruktion solcher Veränderungen selbst über Zeiträume von mehreren tausend Jahren hinweg. Manche klimatologischen Extremereignisse (Dürren, Spätfröste, Stürme) manifestieren sich darüber hinaus durch sehr spezifische holzanatomische Anomalien, so dass Trends der Häufigkeit solcher Witterungsextreme abgeleitet werden können.

Wird das Wachstum der Bäume neben klimatischen Einflüssen zusätzlich von geomorphologischen Prozessen beeinflusst, kommt es zu spezifischen Veränderungen im Zuwachsverhalten und in der anatomischen Ausprägung der Jahrringstrukturen (z.B. abrupte Zuwachsreduktionen, Reaktionsholzbildung, Exzentrizität). Diese Reaktion ereignet sich sehr zeitnah und teilweise sogar unmittelbar nach der Störung. Die Identifikation dieser Veränderungen erlaubt in Verbindung mit geomorphologischen Prozessanalysen die Datierung der abgelaufenen Prozesse bis auf wenige Wochen innerhalb einer Wachstumsperiode genau.

Dendrogeomorphologische Untersuchungen stützten sich maßgeblich auf die makroskopische Auswertung der angesprochenen Jahrringbreitenvariationen im Stamm- und Wurzelholz. Seit einigen Jahren haben mikroskopische Untersuchungen der Holzstruktur eine hohe Bandbreite an Strukturveränderungen als Folge äußerer Einflüsse nachgewiesen. Detaillierte Untersuchungen von Zellveränderungen als Folge unterschiedlicher mechanischer Beeinflussungen werden in Zukunft hochpräzise Datierungen der aufgetretenen Störungen ermöglichen. Somit erlauben dendrogeomorphologische Untersuchungen eine detaillierte Rekonstruktion der Frequenz und Magnitude bisheriger Prozessabläufe innerhalb verschiedenster Prozesssysteme.

Darüber hinaus werden Wachstumsveränderungen in den Jahrringen als Indikatoren für die Stabilität oder Instabilität von Standorten unterschiedlichster Ausprägung herangezogen. Daher können unter bestimmten Voraussetzungen beginnende Standortsveränderungen bereits im Vorfeld grösserer Ereignisse (z.B. Rutschungen, Spaltenöffnungen, etc.) detektiert werden und zur prospektiven Gefahrenabschätzung beitragen.

Im Bereich der Naturgefahrenforschung ist die Rekonstruktion von Prozessabläufen und Wiederkehrintervallen eine wichtige Basis für zuverlässige Prognosen der künftigen Systementwicklung. In der Fachsitzung sollen innovative methodische Ansätze jahrringanalytischer Studien für die Risokoforschung diskutiert wie auch Anwendungsbeispiele aus verschiedenen Geoökosystemen vorgestellt werden.

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrHorst Strunk (Regensburg): Die Erfassung von Massenbewegungen als Naturgefahren mit dendrogeomorphologischen Methoden

Raum-zeitliche Rekonstruktion gravitativer Prozesse (Ostalpen) und Thermokarsthohlformen (Sibirien). ...mehr
09:00-09:25 UhrElena Muntán Bordas (Barcelona): Reconstructing snow avalanche events using dendrochronology in Pyrenees

Dendrochronology supplied valuable information on snow avalanche extent and frequency in the Pyrenees. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrKlaus Felix Kaiser (Zürich): Dendrochronologie - Werkzeug für Flussgeschichte in Alaska und Erhebung von Lawinen in den Schweizer Alpen

Jahrgenaue Rekonstruktion geomorphologischer Entwicklungen, Veränderungsraten und extreme Ereignisse. ...mehr
10:35-11:00 UhrIngo Heinrich (Jülich): Methoden der Holzanatomie in der Dendrochronologie

Neue Möglichkeiten der Prozessrekonstruktion durch holzanatomische Analysen von Zellstrukturen in Bäumen. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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