HOME
Uni-Bayreuht Home

FS 32: Transformationsprozesse in Zentralasien

Montag, 01.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 9, NW I

Hiltrud Herbers (Erlangen)
hherbers@geographie.uni-erlangen.de
Matthias Schmidt (Berlin)
mschmidt@geog.fu-berlin.de


Vor nunmehr 15 Jahren erklärten die zentralasiatischen Sowjetrepubliken Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgistan ihre Unabhängigkeit. Dieser Schritt war nicht das Resultat zivilgesellschaftlicher Bestrebungen zur Gründung eigenständiger Staaten. Vielmehr war die Eigenstaatlichkeit eine logische Folge der Implosion der Sowjetunion. Die politische Führung und die intelligenzija dieser Republiken waren sich der strukturellen Abhängigkeit von Moskau sowie der Entwicklungserfolge des welfare socialism bewusst und sahen diese durch eine etwaige Unabhängigkeit gefährdet. Nach dem Zerfall der UdSSR blieben die Subventionen und Zuwendungen aus Moskau aus, so dass die Befürchtungen um den Verlust sowjetzeitlicher Errungenschaften Realität wurden. Die Bemühungen um eine Transformation der bisherigen Ordnung von einem Einparteien- zu einem Mehrparteiensystem, von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft etc. entsprechen primär westlichen Vorstellungen von Entwicklung und werden bisher eher vordergründig umgesetzt. Was den Alltag der Bevölkerung heute prägt, ist ein weit reichender Zusammenbruch der Infrastruktur, eine drastische Kürzung staatlicher Sozialleistungen und damit einhergehend eine dramatische Zunahme von Armut. Die eingeschränkte staatliche Versorgung muss durch wachsende Eigenverantwortung kompensiert werden. Für die Menschen bedeutet die Transformation somit auch eine Neuausrichtung ihres Handelns.

Die Fachsitzung beabsichtigt, die Prozesse und Folgen der postsowjetischen Transformation aus der Perspektive der betroffenen Bevölkerung zu beleuchten. Welche Infrastruktur und Sicherheitsleistungen verlor sie seit 1991, wie geht sie mit der neuen Armut um, welche Bewältigungsstrategien hat sie im Umgang mit den veränderten politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen entworfen? Wenngleich die negativen Auswirkungen der Transformation überwiegen, soll in dieser Fachsitzung auch versucht werden, die jeweils spezifischen postsowjetischen Entwicklungswege sowie vorhandene postsowjetische Entwicklungserfolge aufzuzeigen.

Es stellt sich auch die grundsätzliche Frage nach dem Spezifischen der postsowjetischen Transformation: Inwiefern unterscheiden sich die gegenwärtigen Prozesse in den zentralasiatischen Republiken noch von jenen in "klassischen" Entwicklungs- oder Schwellenländern? Welche Probleme können heute als typische Folgen der Transformation, welche als Konsequenzen der Globalisierung definiert werden?

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrHeiko Schmid (Heidelberg): Konstruktion und symbolische Repräsentation der turkmenischen Nation

Staatliche Inszenierung der turkmenischen Identität nach dem Zerfall der Sowjetunion. ...mehr
09:00-09:25 UhrConrad Schetter und Wolf Henrik Poos (beide Bonn): Local Governance zwischen zentralstaatlicher Kontrolle und Selbstregulierung - Fallstudien aus dem südlichen Usbekistan

Staatliche und nicht-staatliche Institutionen (local governance) in der Peripherie des usbekischen Zentralstaats. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrChristine Bichsel (Bern): Wasser außer Kontrolle? Reflexionen über Bewässerung und postsowjetische Transformation in Kirgistan

Sozio-politische Organisation und Paradigmenwandel der Bewässerung in Kirgistan von 1980 bis heute. ...mehr
10:35-11:00 UhrRoman Droux (Bern): Energienotstand im tadschikischen Pamir

Gegenwärtige Energiekonsummuster, Kleinwasserkraftwerke und Degradation natürlicher Ressourcen im Pamir. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


<< zurück zum Zeitplan