HOME
Uni-Bayreuht Home

FS 34: Zeitgeographische Aspekte wissensbasierter Ökonomien

Montag, 01.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 13, NW I

Oliver Ibert (Bonn)
ibert@giub.uni-bonn.de
Joachim Thiel (Hamburg)
joachim.thiel@hcu-hamburg.de


Torsten Hägerstrand hat in den 1970er Jahren mit seinem paradigmatischen Ausspruch, dass jedes Irgendwo auch ein Irgendwann besitze, die Aufmerksamkeit der Regionalwissenschaften auf die zeitliche Dimension sozial-räumlicher Prozesse gelenkt. Während Hägerstrands Konzentration auf die alltägliche Lebensgestaltung relativ schnell wieder in den Hintergrund der Debatten trat, spielen unterschiedliche Facetten des Faktors Zeit heute eine wichtige Rolle in der raumwirtschaftlichen Theorie und Empirie. Die "territorialen Innovationstheorien" haben die zeitliche Dimension zunächst vor allem im Sinne der Pfadmetapher als langfristige Prozesse aufgegriffen: die Betonung lag auf der Kontinuität regionaler Entwicklungsdynamiken und der Persistenz sich wiederholender Routinen. Innovationsorientierte, interaktive Lernprozesse wurden als stabile, dauerhaft ko-präsente und vertrauensgesättigte Beziehungen beschrieben.

Neue Praktiken in wissensbasierten Ökonomien und neue Strategien zur Überwindung oder Vermeidung regionaler lock-ins haben die Aufmerksamkeit jüngerer Beiträge stärker auf die Metapher des Projekts gelenkt. Diesem Begriff sind zwei neue Tendenzen inhärent, die für die Geographie künftig wichtig werden können:

  1. Anstelle eines zirkulären tritt ein lineares Zeitverständnis: Lernorientierte Kollaborationen sind häufig von vorneherein befristet.

  2. Anstelle eines gleichmäßigen Zeitflusses treten strategische Verzögerungen, Brüche oder Komprimierungen: Unproduktive Lernblockaden können umgangen werden durch non-decision-Strategien, Kreativität kann stimuliert werden, indem langfristig stabile Kooperationen bewusst unterbrochen werden, Lernprozesse können fokussiert werden durch gezielt hergestellten Zeitdruck.

Primäres Ziel der Fachsitzung ist es, diese Befunde, die aus heterogenen Teildiskursen innerhalb und außerhalb der Geographie stammen, erstmals in einem gemeinsamen Zusammenhang zu diskutieren. Durch Querverweise zwischen den verschiedenen Beiträgen und den Austausch im Plenum sollen sich Konturen einer "neuen Zeitgeographie wissensbasierter Ökonomien" abzeichnen. Um dies zu gewährleisten, werden Beiträge eingeladen, die ...

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrJürgen Ossenbrügge, Thomas Pohl und Anne Vogelpohl (alle Hamburg): Kontinuierliche Aktivitäten in urbanen Räumen: Entgrenzungsprozesse im alltäglichen Leben

Pluralisierte Zeitstrukturierungen ermöglichen neue Formen der Arbeits- und Alltagsgestaltung, erzeugen aber auch Konflikte. ...mehr
09:00-09:25 UhrJulia Maintz und Jürgen Pohl (beide Bonn): Zeitgeographisches Szenario kombinierter physischer und Online-Interaktionsräume

Es wird die Erweiterungsfähigkeit der Zeitgeographie auf kommunikative soziale Räume diskutiert. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrHarald Bathelt (Toronto) und Nina Schuldt (Marburg): Dicht gedrängt, am Puls der Zeit: das Phänomen des "Global Buzz" in temporären Clustern

Internationale Messen sind temporäre Cluster, die spezifische Informationsflüsse - "Global Buzz" - ermöglichen. ...mehr
10:35-11:00 UhrHans-Martin Zademach (München): Eigentums- und Beteiligungsverhältnisse als raum-zeitliche Parameter im Münchner Film- und Fernsehcluster

Eine Änderung von Eigentumsstrukturen beeinflusst zentrale Lernparameter in branchenbezogenen Clustern. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


<< zurück zum Zeitplan