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FS 43: Der Sahel im Spannungsfeld von Islamismus und geopolitischen Interessen

Montag, 01.10.2007: 13:30-16:30 Uhr, H 13, NW I

Hannelore Kußerow (Berlin)
h.kusserow@nexgo.de
Bernd Meissner (Berlin)
meissner@tfh-berlin.de

Die derzeit unbeachtete Peripherie "Sahel", die seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts allenfalls durch Dürren und den höchsten Anteil an ärmsten Ländern der Welt in die Schlagzeilen der Weltpresse kam, erfährt seit kurzem einen bedeutenden Wandel.

Die USA haben mit der sogenannten Pan-Sahel Initiative eine Millionen Dollar schwere Initiative aufgelegt, die in der ersten Phase einen rein militärischen Schwerpunkt aufweist (Ausbildung von Elitetruppen). Zielländer sind zunächst die Staaten Mauretanien, Mali, Niger und Tschad. Begründet wird dies durch eine zunehmende Gefährdung der gesamten Region durch Al-Quaida Aktivitäten in der Sahara und deren Verflechtungen mit überregionalen Schmugglerringen. Kaum Erwähnung finden dagegen die inzwischen entdeckten Ölfelder im südlichen Tschad, im Sudan (u.a. Darfur) und im Niger. Alle vier Zielländer der US-amerikanischen Pan-Sahel Initiative sind französisch kolonialisiert worden und unterliegen seither dieser Einflusssphäre. Wie sind die Wechselwirkungen zwischen den französisch geprägten afrikanischen Eliten mit dem neuen Akteur USA?

Der zweite Akteur ist China, dessen Rohstoffhunger sich u.a. im Sudan massiv auswirkt. Welche Folgen hat die Ressourcenkonkurrenz mit den USA auf die politische Situation im Sudan, wie sind Krieg und Vertreibung in Darfur unter diesem Aspekt zu betrachten? Die Übernahme der nationalen Textilindustrie als Folge der Globalisierung durch die Chinesen in Niger und ihre Dominanz im Zweiradmarkt ist gekennzeichnet durch fehlendes Qualitäts- und Umweltbewusstsein. Welche Auswirkungen haben diese Konsummuster auf die lokalen Märkte?

Dies alles geschieht in Gebieten mit, vom menschlichen Nutzungsanspruch aus gesehen, einem äußerst fragilem Naturpotenzial - hier definiert über Niederschlagsabnahme, Abnahme an Bodenfruchtbarkeit, dramatischem Rückgang des Energieträgers Holz und Ausweitung von desertifizierten Arealen. Gleichzeitig ist der Sahel durch die weltweit höchsten Geburtenraten charakterisiert und weist ein Migrationspotenzial von zur Zeit über 50 Millionen Menschen auf.

Diese radikalen Änderungen erfordern neue Forschungsansätze. So müssen die Auswirkungen dieser neuen geopolitischen Interessen auf die Bevölkerung untersucht, sowie Risiken und Wechselwirkungen analysiert werden. Vier Kernfragen stehen im Vordergrund:

13:30-13:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
13:35-14:00 UhrJeremy Keenan (Exeter): The geo-political space of the Sahel: post 9/11.

Der Autor untersucht die bedeutenden geopolitischen Veränderungen im saharo-sahelischen Raum, die durch die seit 2002 von den USA eingerichtete neue Front im Kampf gegen den Terror ausgelöst wurden und weit über den eigentlichen Aktionsraum hinaus reichen. ...mehr
14:00-14:25 UhrThomas Hammer (Bern): Das vielfältige Interesse am westafrikanischen Sahel - Chance oder neue Abhängigkeit?

Der Autor untersucht den tiefgreifenden geopolitischen Bedeutungswandel des westafrikanischen Sahel mit seinen Chancen und Risiken. ...mehr
14:25-14:45 UhrDiskussion
14:45-15:10 UhrPause
15:10-15:35 UhrStefan Kroepelin (Köln): Der Darfur-Konflikt im Sudan aus historischer, ökologischer, ökonomischer und politischer Sicht

Der Autor zeichnet ein anderes Bild des Darfur-Konflikts, in dem die von jeher prekäre humanitäre Situation instrumentalisiert und als Vorwand benutzt wird, um militärische und ökonomische Interessen mächtiger Akteure zu verschleiern. ...mehr
15:35-16:00 UhrMatthias Basedau (Hamburg): Ressourcenpolitik im Niger - Wie ist die Aussicht auf Ölreichtum die politische Landschaft verändert

Der Autor widmet sich u.a. dem Thema "Ressourcenfluch" und zeigt am Beispiel des Niger, welche Auswirkungen alleine die Aussicht auf Ressourcenreichtum auf die politische Stabilität in einem Umfeld von Armut und Schwäche hat. ...mehr
16:00-16:20 UhrDiskussion
16:20-16:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
16:25-16:30 UhrWechselzeit


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