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LT CA.2: Überwachung und Kontrolle

Montag, 01.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 18, NW II

Bernd Belina (Leipzig)
b_belina@ifl-leipzig.de
Susanne Heeg (Frankfurt/M.)
heeg@em.uni-frankfurt.de


Überwachung und Kontrolle strukturieren in erheblichem Maße das Alltagsleben großer Teile der Bevölkerung, v.a. in den Städten. Bilden sie einerseits eine Grundvoraussetzung jeder Vergesellschaftung, fungieren sie andererseits in sozial ungleichen Gesellschaften als Instrumente von Herrschaft und der Reproduktion von Ungleichheiten. Die Leitthemensitzung soll beide Aspekte vor dem Hintergrund einer Veränderung von Staatlichkeit, zunehmenden globalen Verflechtungen und räumlichen Unterschieden zum Thema haben.

In diesem Komplex kommt geographischen Aspekten eine prominente Rolle zu. So bilden räumliche Differenzierungen als Resultat sozialer Ungleichheit und vermittelt über die diskursive Konstruktion "krimineller Räume" häufig die Basis für raumbezogene Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen, durch die eine Ordnung der Subjekte über ihre Verortung hergestellt werden soll (z.B. Videoüberwachung öffentlichen Raums). Derartige Maßnahmen werden in der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion mit einem Umbau des Staates und wirtschaftlichen Veränderungen erklärt. Diese Thematik wird, teilweise der internationalen Debatte folgend, in jüngerer Zeit auch im deutschen Sprachraum in Geographie, Stadtforschung und Kriminologie kritisch analysiert. Dabei kommen nach unserer Einschätzung bislang insbesondere zwei Aspekte zu kurz. Erstens werden Überwachung und Kontrolle häufig - zumindest implizit - auf Fragen der persönlichen Sicherheit vor Gewalt reduziert. Damit wird die Rolle staatlicher Institutionen und privater Sicherheitsproduzenten auf die von Garanten von "Sicherheit" und dem Schutz vor Gewalt reduziert, ohne ihren aktiven Beitrag zur Gewaltförmigkeit des Sozialen zu thematisieren. Zweitens geht die zu beobachtende Konzentration auf die BRD und einige westliche Staaten mit der Gefahr einher, das globale Phänomen von Überwachung und Kontrolle aus eurozentristischer Perspektive zu betrachten. Um dies zu vermeiden erscheint es notwendig, die Bedeutung von Kontrolle und Sicherheit vor dem Hintergrund einer unterschiedlichen Entwicklung von Staatlichkeit, globaler Integration und ökonomischer Restrukturierung in differierenden Länderkontexten zu thematisieren.

Um diese beiden Aspekte stärker zu fokussieren, schlagen wir für die Leitthemensitzung vor, die spezifischen Wirkungszusammenhänge zwischen Gewalt, Kontrolle, staatlichen und ökonomischen Restrukturierungen im internationalen Vergleich in den Mittelpunkt zu stellen. Konkret sollen vier Vorträge zu Nordamerika, Europa, Lateinamerika und Afrika die jeweiligen Besonderheiten der Geographien der Gewalt und Un-Sicherheit einschließlich ihrer Kontroll- und Überwachungssituation untersuchen. Dabei wird im ~Süden~ die z.T. offen gewalttätige Rolle staatlicher Akteure in der Spirale von Gewalt und Gegengewalt stärker im Mittelpunkt stehen, während im ~Norden~ die tendenziell subtileren Formen der gewaltförmigen Regulierung des Sozialen zu thematisieren sind.

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrStephan Lanz (Frankfurt/O.): Favelas regieren

Der Vortrag untersucht das Verhältnis zwischen Lokalstaat, Drogenkomplex und Favela in Rio de Janeiro. ...mehr
09:00-09:25 UhrElisabeth Peyroux (Toulouse): Private Enclosed Neighbourhoods and the Changing Forms of Social Control: Examples from Johannesburg

Reflections on trends in social control in the context of democratic transition and urban and economic restructuring in South Africa. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrGesa Helms (Glasgow): In town with New Labour: new urban security and the criminalization of poverty in the UK

British policy attempts to criminalise urban spaces and populations through security and labour market initiatives. ...mehr
10:35-11:00 UhrDon Mitchell (Syracuse): Pretexts, Paranoia und Public Space: Panic and Policing in America after 9/11

Americans' fear of public space has led to similar policing strategies for terrorism and for governing undesirables. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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