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FS 29: Politische Ökologie von Konflikten um Wasser

Dienstag, 02.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 10, NW I

Olivier Graefe (Fribourg)
olivier.graefe@uni-bayreuth.de
Steffen Niemann (Frankfurt/M.)
s.niemann@em.uni-frankfurt.de


Kaum eine zweite natürliche Ressource stand - neben dem Erdöl - in den vergangenen Jahren so sehr im Zentrum der Diskussionen um Versorgungssicherheit wie das Wasser. Derzeit fehlt trotz weltweit beachtlichen Engagements für mehr als eine Milliarde Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Um der zu immer größeren Anteilen in Agglomerationen konzentrierten Bevölkerung das benötigte Wasser "nachzuliefern", ist es in immer aufwändiger werdender Weise erforderlich, in den natürlichen Wasserkreislauf ein menschengemachtes Netz der Wasserumverteilung einzufügen. Der UN-Gipfel von Johannesburg im Herbst 2002 rief in seinen Millennium Development Goals (MDG) u.a. das Ziel aus, bis zum Jahr 2015 eine Halbierung des Bevölkerungsanteils ohne gesicherte Wasserversorgung wie auch desjenigen ohne gesicherte Abwasserentsorgung zu erreichen. Die Hürden um jeden Tag knapp 275.000 Personen an eine sichere Wasserversorgung und gar 350.000 Personen an eine sichere Abwasserentsorgung anzuschließen, sind weniger physisch-geographischer oder demographischer als vielmehr politischer Art: Wasserverfügbarkeit muss jenseits hydrologischer Ausstattungsmerkmale primär als ein Ergebnis gesellschaftlicher und (macht-)politischer Verhältnisse verstanden werden. Hierbei sind neben Fragen der Verteilungshoheit (aber auch der Nahrungssicherheit, der Bewässerungswirtschaft, des Virtual Water und der Staudammproblematik) auch Aspekte von Territorialität angesprochen. So tragen neuartige regionale Kooperationen in Form von Flussgebietsorganisationen der Stärkung hydrologischer Einzugsgebietes der jeweiligen Gewässer als räumliche Bewirtschaftungseinheiten Rechnung. Als "wegweisender Meilenstein" in der entsprechenden weltweiten Transformation ist dabei die Europäische Wasserrahmenrichtlinie von 2000 zu verstehen, in der jener basale Fokus in der Wasserbewirtschaftung erstmals für einen ganzen Staatenbund, also nicht wie bis zu diesem Zeitpunkt nur für ein einzelnes Gewässer, festgeschrieben wurde.

Weitergehende neue Formen in Organisation und Management in der Wasserversorgung sind von dem Aufgeben des entsprechenden Staatsmonopols und damit der fortschreitenden Liberalisierung des Wassermarktes sowie vom Wandel von der Angebotsorientierung zur Nachfragesteuerung bestimmt. Auch lässt sich, namentlich im Konzept des "Integriertes Wasserressourcen-Management" (IWRM), eine stärkere räumlich-holistische Vernetzung der Wasserbewirtschaftung mit ökologisch verbundenen Sektoren, beispielsweise mit Fragen der Landnutzung und Regionalentwicklung, beobachten.

In dieser Fachsitzung sollen, dem Verständnis der Politischen Ökologie folgend, die sich in dem dynamischen Feld des Strebens nach Versorgungssicherheit ergebenden, räumlich und sektoral vielfach sehr different gestalteten Konflikte um die Ressource Wasser auf unterschiedlichen Maßstabsebenen ausgeleuchtet werden.

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrThomas Kluge (Frankfurt/M.): Wassernutzungskonflikte: Integriertes Wasserressourcenmanagement und sozial-ökologische Regulation als Lösungsperspektive

Instrumente zur Regulierung von Wassernutzungskonflikten - Chancen und Hemmnisse der EU-Wasserrahmenrichtlinie und des Wasserhaushaltsgesetzes. ...mehr
09:00-09:25 UhrJenniver Sehring (Hagen): Politische Reformen des Wassersektors: Die Rolle von Institutionen, Akteuren und Interessen

Der Einfluss von formellen und informellen Institutionen sowie Akteursinteressen auf die Wasserpolitik in Zentralasien. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrDavid Blanchon (Pessac): The constitution of hybrids: a few questions about the twin process of hybridation/purification

Bruno Latour's theoretical concepts applied on South Africa's waterscape historical development. ...mehr
10:35-11:00 UhrMatthias Naumann und Carsten Zehner (beide Erkner): Zwischen Überfluss und Mangel: Internationale Beispiele von Konflikten um dezentrale Wasserinfrastrukturen

Wasserversorgungssysteme in Deutschland und Mexiko im Vergleich. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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