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FS 62: Alltagstheorien über geographische Themen und ihre Veränderung im Geographieunterricht

Dienstag, 02.10.2007: 13:30-16:30 Uhr, H 11, NW I

Armin Rempfler (Luzern)
armin.rempfler@phz.ch
Frank-Michael Czapek (Hannover)
fczapek@t-online.de

Aus der Lehr-/Lernforschung ist bekannt, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem Lernende ihre Wissensstruktur aktiv aufbauen und nicht einfach nur Wissen übernehmen. Dabei spielen die vorhandenen Vorstellungen der Lernenden (subjektive Theorien) eine zentrale Rolle, welche in aller Regel mit den im Unterricht zu lernenden wissenschaftlichen Begriffen und Prinzipien nicht übereinstimmen.

Da die vorunterrichtlichen Vorstellungen das Interpretationsschema bereitstellen, mit dem die Lernenden alles deuten, was im Unterricht von den Lehrenden gesagt und dargeboten wird, sind gravierende Lernschwierigkeiten die Folge. Auf dieser Basis entwickelte sich international seit den 80er Jahren eine Sicht des Lernens, die als Conceptual Change bezeichnet wird.

Die Conceptual Change Forschung untersucht, wie Alltagsvorstellungen von Lernenden entstehen und wie sie verändert werden können. Die subjektiven Theorien von Lernenden über naturwissenschaftliche Begriffe und Konzepte in der Physik, Biologie und Chemie werden schon seit über zwei Jahrzehnten erforscht; das Gebiet der Geographie und der Geowissenschaften fand bisher nur wenig Berücksichtigung. In jüngster Zeit ist man sich jedoch auch in der deutschsprachigen Geographiedidaktik der Bedeutung der Alltagsvorstellungen im Lernprozess, vor allem auch in Hinblick auf das systemische Denken in umweltbezogenen Kontexten bewusst geworden. Dies zeigt sich an verschiedenen Projekten, die Bezug zur Conceptual Change Forschung aufweisen und aus denen bereits erste interessante Ergebnisse vorliegen. Diese sollten dem geographischen Fachpublikum zugänglich gemacht werden. Da sich Lehrkräfte oder Dozierende immer auch die Frage stellen, welche Konsequenzen fachdidaktische Forschungsergebnisse für den Unterricht haben, sind theoriebasierte Unterrichtskonzeptionen wie das Modell der Didaktischen Rekonstruktion, das die Conceptual Change Forschung explizit ein bezieht von Interesse und praktischem Nutzen. Das Modell, dessen Wirksamkeit in empirischen Studien mehrfach nachgewiesen wurde, beruht auf einer konstruktivistischepistemologischen Sicht und verknüpft wirkungsvoll fachdidaktische Forschung und Unterrichtsentwicklung.

Andere Konzepte, die nachweislich dazu beitragen, subjektive Theorien im Unterricht sollen im Rahmen der Fachsitzung ebenfalls thematisiert werden.

Inhaltliche Schwerpunkte der Fachsitzung:

1. Eine synoptische Darstellung der Conceptual Change Forschung zu geographischgeowissenschaftlichen Themen.

2. Präsentationen von Methoden und Ergebnissen aus der aktuellen Vorstellungsforschung zu geographisch relevanten Themen.

3. Beispiele für die Anwendung des Modells der didaktischen Rekonstruktion und anderer theoriebasierter Konzepte in der geographischen Lehre, die geeignet sind, Conceptual Change Lernenden zu induzieren.

13:30-13:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
13:35-14:00 UhrStephan Schuler (Ludwigsburg): Alltagsvorstellungen zu geographischen Themen - zum aktuellen Stand der Forschung

Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der internationalen fachdidaktischen Forschung zu Alltagsvorstellungen von Lernenden zu geographischen Themen. ...mehr
14:00-14:25 UhrKerstin Drieling (Münster): Boden und Bodenzerstörung: Schülervorstellungen und deren didaktische Konsequenzen für den Geographieunterricht

Im Vortrag werden grundlegende Schülervorstellungen zum Thema Boden vorgestellt, mit fachwissenschaftlichen Theorien in Beziehung gesetzt und didaktische Konsequenzen für den Unterricht abgeleitet. ...mehr
14:25-14:45 UhrDiskussion
14:45-15:10 UhrPause
15:10-15:35 UhrMartin Müller (Eichstätt): Schülervorstellungen über Meteoriteneinschläge auf der Erde - Forschungsergebnisse und didaktische Konsequenzen

Der Vortrag stellt Schülervorstellungen über Meteoriteneinschläge vor. Der Vergleich der Ergebnisse mit dem aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand dient dem Entwurf einer Unterrichtseinheit. ...mehr
15:35-16:00 UhrSibylle Reinfried (Luzern): Das Modell der Didaktischen Rekonstruktion -ein konstruktivistischer Ansatz zur Veränderung von Alltagsvorstellungen in der Geographie

Der Vortrag erläutert an einem Beispiel aus der Physischen Geographie wie Schülervorstellungen auf der Basis des Modells der Didaktischen Rekonstruktion verändert werden können. ...mehr
16:00-16:20 UhrDiskussion
16:20-16:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
16:25-16:30 UhrWechselzeit


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