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LT BB.1: Arbeitsmärkte im Umbruch - Erosion der Erwerbsgesellschaft?

Montag, 01.10.2007: 13:30-16:30 Uhr, H 17, NW II

Britta Klagge (Osnabrück)
bklagge@uos.de
Susanne Albrecht (Hannover)
susanne.albrecht@arcormail.de


Die Entwicklung der Arbeitsmärkte ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen in Deutschland. Die wirtschaftliche Situation seit der Jahrtausendwende wird angesichts von rund 5 Millionen Arbeitslosen bei gleichzeitig zwar nur langsam, aber dennoch wachsender Wirtschaftsleistung und hohen Exportquoten etwas unpräzise als jobless growth beschrieben, also als Wachstum der Wirtschaft, aber nicht der Arbeitsplätze. Stichworte wie sinkende Bedeutung des Normalarbeitsverhältnisses, also der unbefristeten abhängigen Vollzeitbeschäftigung, und neue Formen der Erwerbsarbeit (z.B. Minijobs, Ich-AG) deuten des Weiteren darauf hin, dass diese Entwicklung mit tief greifenden Veränderungen in der Arbeitswelt einhergeht. Einige sprechen sogar von einer Erosion bzw. Destabilisierung der Arbeits- und Erwerbsgesellschaft, wie wir sie kennen. Vom einzelnen erfordern diese Entwicklungen nicht nur mehr Flexibilität, sondern sie erhöhen auch die individuellen Risiken - z.B. arbeitslos zu werden, prekär bzw. informell arbeiten zu müssen oder auch in die Armut abzurutschen, wobei bestimmte Risikogruppen wie Geringqualifizierte, Jugendliche und Ausländer besonders betroffen sind.

Die vorgeschlagene Sitzung soll sich den diesen Entwicklungen zu Grunde liegenden Veränderungen und den daraus resultierenden Risiken und Destabilisierungsprozessen widmen. Neben einer Analyse der sich wandelnden Erwerbsstrukturen soll es vor allem darum gehen, die Hintergründe für die stattfindenden Differenzierungs- und Flexibilisierungsprozesse aufzuzeigen und konzeptionell einzuordnen. Im Fokus stehen dabei auch die den Arbeitsmarkt regulierenden Institutionen, die seit einiger Zeit - und in engem Zusammenhang mit den veränderten Erwerbsstrukturen und der hohen Arbeitslosigkeit - im Umbruch begriffen sind. Dabei treten gleichzeitig de- und reregulierende Tendenzen auf, in deren Verlauf öffentliche Akteure sich zurückziehen und den Erwerbspersonen und Arbeitgebern mehr Verantwortung übergeben und damit auch erhöhte Risiken zumuten. Wichtige Entwicklungen, die die wirtschaftlichen Flexibilisierungsprozesse mit ermöglicht haben und die in der vorgeschlagenen Sitzung thematisiert werden sollen, sind die Restrukturierung der Arbeitsmarktpolitik, die Dezentralisierung der Tarifpolitik, insbesondere die Erosion des Flächentarifvertragssystems, und der Bedeutungs- und Mitgliederverlust der Gewerkschaften.

Aus geographischer Perspektive von besonderem Interesse sind die dabei auftretenden Verschiebungen zwischen verschiedenen geographischen Maßstabsebenen, die sowohl Ursache als auch Folge der angesprochenen Restrukturierungsprozesse sind. Im Kontext der Globalisierung ist hier beispielsweise der wachsende Einfluss supranationaler Organisationen (z.B. der EU, ILO) auf nationale und regionale Arbeitsbeziehungen zu nennen. Gleichzeitig führt die Dezentralisierung der Tarifpolitik zu einer Verlagerung von Entscheidungen auf die regionale oder sogar betriebliche Ebene. Die Verschiebungen zwischen den geographischen Maßstabsebenen drücken sich u.a. in einem Wandel der räumlichen Muster, also auch der regionalen Disparitäten aus, die den geographischen Zugang zum Thema darstellen.

13:30-13:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
13:35-14:00 UhrChristian Zeller (Bern): Globalisierung der Verunsicherung

Die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und der Lebensbedingungen: Anknüpfungspunkte für eine erneute Theorie ungleicher kapitalistischer Entwicklung. ...mehr
14:00-14:25 UhrSusanne Heeg (Frankfurt/M.): Maßstäblichkeit von Arbeitsbeziehungen: Machtverhältnisse in der Elektro- und Metallindustrie am Beispiel des Flächentarifvertrages

"Jumping Scales" als Machtspiel in Arbeitsbeziehungen? Das Beispiel der deutschen Metall- und Elektroindustrie. ...mehr
14:25-14:45 UhrDiskussion
14:45-15:10 UhrPause
15:10-15:35 UhrChristian Berndt (Frankfurt/M.): Im/mobile Arbeit: Zur Erosion territorialer ökonomischer Ordnungen

Grenzüberschreitende Mobilität von Arbeitsmigranten stellt die Integrität territorialer Wirtschaftssysteme in Frage. ...mehr
15:35-16:00 UhrJoachim Thiel (Hamburg): Lokale Grenzen der Entgrenzung von Arbeit: Ein Blick auf Beschäftigungstrukturen der Kreativökonomie aus "arbeitsgeographischer" Perspektive

Aktuelle arbeitssoziologische Debatten werden aus einer geographischen Perspektive beleuchtet und empirisch fundiert. ...mehr
16:00-16:20 UhrDiskussion
16:20-16:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
16:25-16:30 UhrWechselzeit


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