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Keynote-Vortrag IV (themenübergreifend): Sind Katastrophen natürlich?

Montag, 01.10.2007: 16:30-17:30 Uhr, Audimax

Ben Wisner (Oberlin)

Lange Zeit galten extreme Naturereignisse, vor allem jene mit Auswirkungen auf Menschen, als "Strafe Gottes". In einer stärker säkularen Welt, beginnend etwa mit der Debatte zwischen Voltaire und Rousseau über das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, werden Katastrophen dieser Art als "natürlich" angesehen. Doch sind sie das?

Seit meinem 1976 in Nature erschienenen Artikel argumentiere ich gemeinsam mit einer wachsenden Zahl von Kollegen, dass nur das auslösende Extremereignis (Hazard) natürlich verursacht ist. Katastrophen dagegen sind Ergebnisse sich überschneidender politisch-ökologischer Prozesse: Naturgefahren, durch menschliche Eingriffe modifizierte Natur, exponierte und verwundbare Aktiva, und schließlich die Menschen selbst.

Manche sehen eine solche anthropozentrische Sichtweise durch das Erdbeben in Pakistan oder den Tsunami im Indischen Ozean widerlegt. Doch man muss die Überschneidungen von Macht, sozialem und wirtschaftlichen Leben, dem Ort des Geschehens und dessen Topographie sowie dessen Ökologie in historischer Perspektive berücksichtigen, um zu verstehen, dass Katastrophen in ihren Auswirkungen weder "natürlich" noch "demokratisch" sind. Marginale Gruppen werden in marginalen Positionen in Raum und Gesellschaft verortet. Diese Menschen leiden daher oftmals stärker unter Katastrophen und vor allem fällt es ihnen schwerer, sich wieder davon zu erholen.



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