HOME
Uni-Bayreuht Home

Landnutzungswandel und Bewertung der Landschaftsdiversität im FFH-Schutzgebiet des Madres-Coronat-Massivs (Ostpyrenäen)

Anja Müller (Toulouse)

Mittwoch, 03.10.2007: 10:35-11:00 Uhr

Das Madres-Coronat Massiv in den französischen Ostpyrenäen ist im Vergleich zur nahgelegenen Mittelmeerküste und den wintersportlich intensiver genutzten Ost- und Zentralpyrenäen (Capcir, Cerdagne und Andorra) als peripherer Raum zu betrachten. Dies drückte sich in den letzen 130 Jahren durch einen sehr starken Bevölkerungsschwund und einen damit verbundenen, unübersehbaren Landnutzungswandel aus, der durch eine starke Abnahme der Kultur- und Weideflächen zugunsten von Wald- und Heideflächen zur Geltung kam. Wie wird mit den Umständen des nicht umzukehrenden wohl aber des zu beinflussenden und neuorientierbaren Landnutzungswandels umgegangen? Angesprochen werden zunächst die vorhandenen Lösungsansätze, deren Bedarf und eventuell notwendige Erweiterung, um der zunehmenden Waldbrandgefahr und der Abnahme der Weideflächen durch Verbuschung im Kontext des Global Change entgegenzutreten.
Das etwa 250km² umfassende Untersuchungsgebiet in der Schnittfläche der atlantischen, mediterrranen und montane Einflussbereiche zeichnet sich weiter durch eine für europäische Verhältnisse hohe Artenvielfalt und eine bemerkenswerte Überschneidung verschiedener Schutzgebietstypen aus: Drei "Réserves Naturelles" (Naturschutzgebiete), zwei "Zones d'Intrêt pour la Conservation des Oiseaux" (Vogelschutzgebiete), vierzehn "Zones Naturelles d'Intérêt Ecologiques Faunistiques et Floristiques", ein Parc Naturel Régional (Naturpark), und ein NATURA2000-Schutzgebiet überlappen sich hier und lassen die Zuständigkeitsbereiche zur nachhaltigen Entwicklung der lokalen und regionalen Bioressourcen teilweise konfus erscheinen. Diese für ein EU-Land oftmals typische Situation soll exemplarisch aufgezeigt und in ihrer Funktionsweise erläutert werden. Dort wo grüner Tourismus, Jagdinteressen, Naturschutz, eine in die Krise geratenen extensive Schaf-und Rinderzucht und Forstwirtschaft auf gleichem Raum konkurrieren, kann überlegtes und aktives Schutzgebietsmanagement Blockierungen nur auf partizipatorische Weise überwinden und zusammenfügen. Ein Lösungsansatz liegt in der Vernetzung und Koordination der instrumentalen und finanziellen Werkzeuge der obengenannten Schutz- und Erholungsgebietsstrukturen.
Unablässlich ist hierfür aber auch die fundierte und wertorientierte Kenntnis des Naturraumdargebots, um dessen Bedeutung für die Erhaltung der Biodiversität richtig zu bewerten und um dessen nachhaltige Nutzung, sowie die hier teilweise relevanten Pflegemaßnahmen zu koordinieren. Im Detail soll demnach vorgestellt werden, inwiefern die Analyse und das Verständnis der aktuellen, vergangenen und potentiellen Landschaftsdiversität zur Abwägung des Naturpotentials und zur Ableitung von Nutzungs- und Schutzstrategien und Eingriffsregelungen erforderlich ist.

<< zurück zur Übersicht (FS 16)