HOME
Uni-Bayreuht Home

Die Entwicklung der nördlichen Oberrheinniederung seit dem mittleren Holozän - ein Diskussionsbeitrag zur Natürlichkeit von Flussauen vor den umfassenden anthropogenen Umgestaltungen während der Neuzeit

Andreas Lechner (Osnabrück)

Samstag, 29.09.2007: 18:05-18:30 Uhr

Aus Sicht der Auenforschung und des Naturschutzes ist heute die Ansicht, dass sich die großen mitteleuropäischen Flussauen bis zu den Korrektionen, Regulierungen und Eindeichungen ab dem 18. Jh. weitgehend natürlich entwickelt haben, noch weit verbreitet. Dabei wird in Abhängigkeit von Substrat und Mikrorelief bzw. vor allem von Überflutungsdauer- und –höhe der Gehölze eine natürliche Zonierung der Auwaldvegetation in Weichholz- und Hartholzauenstufen angenommen. Diese Annahmen sind nach den Ergebnissen neuerer paläoökologischer Forschungen zumindest in Frage zu stellen.
Nach den Befunden pollenanalytischer Untersuchungen fehlen bis in das mittlere Subboreal (mittlere Bronzezeit) Kulturzeiger in der Rheinaue noch weitgehend. In dieser letztmalig weitgehend natürlichen Flussniederung war eine Weichholzaue kaum ausgebildet. So fehlen pollenanalytische Nachweise von Weiden fast völlig. Die Auenwälder des späten Atlantikums bzw. des Subboreals werden am nördlichen Oberrhein durch Eichen-Ulmenwälder bei weitem dominiert. Im Mittelholozän herrschten in den geologischen Talauen eher trockenere Verhältnisse mit vorwiegend terrestrischen Bodenbildungen vor. Flachgründige Rohböden waren weit verbreitet, Überflutungen selten.
Diese Verhältnisse änderten sich im ausgehenden Subboreal durch deutlich zunehmende Hochwasseraktivitäten, die massive flussmorphologische Veränderungen zur Folge hatten, grundlegend. So bildete sich durch Flussbettverlagerungen und Auen(fein)sedimenteinträge seit der späten Bronzezeit ein Standortmosaik heraus, das die Entwicklung einer ausgeprägten Weichholzaue erst ermöglichte.
Ein direkter und massiver anthropogener Einfluss auf die Vegetation im Untersuchungsraum ist erstmals in der jüngeren Eisenzeit pollenanalytisch nachweisbar. Während dieser Epoche findet eine intensive landwirtschaftliche Nutzung auch in der Talaue selbst statt. Dabei ist die Landnutzungsintensität in der Flussniederung deutlich höher als in der nachfolgenden römischen Zeit und wird erst im Hochmittelalter wieder erreicht bzw. übertroffen. Neben den Stieleichen-Ulmen-Auenwäldern ist spätestens ab der Eisenzeit in der nördlichen Oberrheinniederung nun auch eine Weichholzaue deutlich ausgebildet.

<< zurück zur Übersicht (FS 03)