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Tagungsmotto:

Die Programmverantwortlichen des Bayreuther Ortsausschusses haben ein Leitthema gewählt, das sich in besonderem Maße für die angestrebte inter- und multidisziplinäre Auseinanderset­zung eignet. Das zentrale Motto des Kongresses lautet:

Umgang mit Risiken: Katastrophen – Destabilisierung – Sicherheit.

Die inhaltlich an das Motto angelehnten 21 Leitthemensitzungen des Kongresses behandeln Katastrophen als ungewöhnliche Extremereignisse mit folgenschweren Auswirkungen auf Menschen und/oder Wirtschaftssysteme.

Neben Eintreffwahrscheinlichkeiten, Ursachen und Folgen der katastrophalen Ereignisse sol-len die Risikowahrnehmung von Katastrophen durch die direkt oder indirekt Betroffenen sowie deren wertende Auseinandersetzung mit der Thematik im Zentrum der analytischen Betrachtung stehen.

Im Bereich der Katastrophen sind folgenschwere geophysikalische Naturereignisse (wie z.B. Vulkanausbrüche, Erdbeben, Lawinen, Hochwässer, Dürren etc.) von quasinatürlichen Vor­gängen zu unterscheiden, die durch schwerwiegende Eingriffe des Menschen in die Natur aus­gelöst oder verstärkt werden, dann aber entsprechend den Naturgesetzen ablaufen. Zu diesen so genannten man-made hazards zählen beispielsweise Smog, Reaktorunglücke, anthropogener Klimawandel, Ressourcenübernutzung.

Neben den (Natur-)Katastrophen werden mit Destabilisierung gestresste und schließlich aus der Balance geratende gesellschaftliche Gleichgewichte thematisiert, die jeweiligen Auslöser rekonstruiert und zu erwartende Folgeerscheinungen prognostiziert. Solche Bedrohungen sind keineswegs nur natürlicher Art (z.B. Überschwemmungen), sondern umfassen auch techno­logische Schäden und terroristische Bedrohungen. Sie betreffen, wenn auch unterschiedlich, sowohl die hoch entwickelten Staaten als auch die Entwicklungsländer.

Mit dem Themenkomplex Sicherheit werden unter Einbezug der angewandten geographischen Forschung Bestrebungen zusammengefasst, die als Bedrohung wahrgenommene Beeinträchti­gungen im Sinne der Risiko- bzw. Katastrophenvorsorge wenn nicht vollkommen auszuschlie­ßen, so doch wenigstens hinreichend kalkulierbar zu machen. Im Sinne einer Vorsorge werden auch Strategien zur Minimierung von Gefahrenpotenzialen diskutiert.

Die Dialektik von Risikobereitschaft und Sicherheitsstreben ist ein Kernproblem der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung. Auf der einen Seite wird die Suche nach Sicherheit durch die Fähigkeit einer Gesellschaft bestimmt, objektive Gefahren in subjektiv kalkulierbare Risiken zu übersetzen. Auf der anderen Seite werden beständig neue Risiken produziert, beispiels­weise durch anthropogen induzierten Klimawandel, technologischen Fortschritt, Begleiter­scheinungen der Globalisierung oder Prozesse der gesellschaftlichen Destabilisierung. Diese Phänomene können sich überlagern und verstärken. Für das Verständnis ihres Zusammenwir­kens und für die Suche nach Lösungen kommt dem Raum in seinen verschiedenen von der Geographie thematisierten Aspekten eine besondere Bedeutung zu: als materielle Basis der Gesellschaft und ihrer Ressourcen, als Matrix für die Interaktion zwischen Gesellschaft und Umwelt und als Projektionsfläche für die Wahrnehmung von Gefahren und die gesellschaft­liche Konstruktion von Risiko und Sicherheit.

Im Mittelpunkt des Leitthemas des Deutschen Geographentages 2007 Bayreuth steht, verkürzt formuliert, die Frage, in welcher Weise die Geographie mit der Vielfalt ihrer Forschungsper­spektiven einen Beitrag zum rationalen Umgang mit Risiken leisten kann.

Es ist das zentrale Anliegen der Leitthemensitzungen des Kongresses aufzuzeigen, dass sowohl naturwissenschaftliche als auch sozialwissenschaftliche (physisch-geographische und human­geographische) Dimensionen in vernetzter Sicht berücksichtigt werden müssen, um sich dem Thema der unerwarteten Risiken und berechenbaren Gefahren sachgerecht und wissenschaft­lich zuzuwenden.