Naturwissenschaftliche Gesellschaft Bayreuth

Peterek, A; Rossmann, G: Der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth als Archiv der Erdgeschichte Nordostbayerns, Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth, XXV, 93-139 (2004)
Abstract:
Bayreuth liegt in einem erdgeschichtlich außerordentlich vielseitigen und spannenden Raum. So lassen sich hier auf verhältnismäßig kurzen Entfernungen Gesteine aus nahezu allen geologischen Zeiteinheiten seit dem späten Präkambrium finden. Auch die Vielzahl der vertretenen Gesteinstypen (von Hochdruck-Metamorphiten aus der tieferen Kruste bis zu organogenen Mineralen und Gesteinen) machen diese Region nicht nur zu „Bayerns steinreicher Ecke“ (MÜLLER 1979, 1991).

Im Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth repräsentieren mehr als 25 unterschiedliche Gesteinstypen (Stand Ende 2002) einen Querschnitt durch die Vielfalt der Gesteine und die über 550 Mio. Jahre zurückreichende Erdgeschichte Nordostbayerns (Abb. 2). Die rund 2.800 Tonnen Gesteinsmaterial stammen dabei (mit Ausnahme einiger Vulkanite) von über 20 Lokalitäten aus der näheren und weiteren Umgebung des Hochschulortes. Diese verteilen sich auf die drei großen geologischen Struktureinheiten (Frankenalb, Bruchschollenzone und Grundgebirge; Abb. 1).

Initiiert und im wesentlichen gestaltet wurde die „Gesteinssammlung“ des ÖBG in den Jahren zwischen 1978–1996 durch den vormaligen Direktor des ÖBG, Herrn Prof. Dr. Günther Rossmann. Seither ist diese weiter ergänzt worden (Kalksteine des Jura und Granit-„Wollsäcke“) und soll in den kommenden Jahren sogar noch weiter ausgebaut werden.

Ein Leitgedanke des ÖBG ist es, ausgewählte Vegetationsbilder unter Berücksichtigung ihrer natürlichen Standortbedingungen darzustellen. Dieses Konzept für die von unterschiedlichsten Standorten stammenden Pflanzen v. a. in bezug auf ihr natürliches Substrat (Gestein, Boden, Wasser) auf engem Raum umzusetzen, ist bei den einheitlichen standörtlichen Gegebenheiten des ÖBG (lehmiger und sandiger Untergrund aus Keupergesteinen) im einzelnen äußerst schwierig bzw. unmöglich.

Dies gilt besonders für die vegetationsgeographischen Abteilungen (z. B. Asien, Amerika, Europa, Tropenwald). Es bleibt damit überwiegend der Kunst der Gärtner überlassen, die Böden so zu mischen, daß die gewünschten Pflanzen darauf wachsen können. Mit der Vielfalt der im ÖBG ausgelegten Gesteine ist jedoch versucht worden, auf die enge ökologische Beziehung zwischen Vegetation und geologischem Untergrund hinzuweisen.

Die vorliegenden Ausführungen dokumentieren den Bestand der Gesteine im ÖBG am Ende des Jahres 2002 erstmals zusammenfassend. Da es sich um eine in ihrer Art einzigartige Sammlung von Objekten zur Erdgeschichte Nordostbayerns handelt, sollen die Gesteine hier auch in ihrem geologischen Kontext beschrieben werden. Die Ausführungen beabsichtigen dabei, auch dem nicht-fachkundigen Besucher eine Orientierung zu geben. Daher erschien es sinnvoll, grundlegende geologische Zusammenhänge oftmals ausführlicher darzustellen.

Die Reihenfolge der Gesteinsbeschreibungen folgt einem möglichen Rundgang durch die Gewächshäuser und das Freigelände des ÖBG (Abb. 7). Diesem Vorschlag folgend, kann der Besucher mit dem Eintritt in die Gewächshäuser das Zeitalter der Gegenwart (das Holozän) verlassen und im Verlauf des Rundganges Gesteinen aus zunehmend älteren geologischen Zeiteinheiten begegnen. Die vorgegebene Verteilung der Gesteine im ÖBG läßt dieses Prinzip allerdings nicht vollständig realisieren. Die Ausführungen erlauben es allerdings auch, die Gesteinsvorkommen des Gartens unabhängig von der vorgeschlagenen Route aufzusuchen.

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