Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hessen

Georg Berthold1, Bernd Leßmann1, Harald Rückert1, Christoph Kludt1
1 Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)

P 13.7 in Nitrate and the importance of denitrification for water supply

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) trat am 22.12.2000 in Kraft, um eine koordinierte Bewirtschaftung über Staats- und Ländergrenzen hinweg umzusetzen und einen guten mengenmäßigen und chemischen Grundwasserzustand einzuhalten oder zu erreichen. Die Umsetzung der WRRL in Hessen erfolgt in einzelnen, aufeinander aufbauenden Schritten.

Zur Charakterisierung und Beschreibung des Grundwassersystems wurden Grundwasserkörper (GWK) durch Verschneidung hydrogeologischer Teilräume mit hydrologischen Einzugsgebieten abgegrenzt. Insgesamt ergeben sich hieraus 128 GWK in Hessen.

Die Berichterstattung über den chemischen Zustand erfolgt durch operativen Messstellen (in belasteten GWK) und Überblicksmessstellen (in unbelasteten GWK). Der chemische Zustand wird durch sog. Qualitätsnormen und Schwellenwerte, die auf Grundlage der Grundwasserrichtlinie (Richtlinie 2006/118/EG) festgelegt und mit der Grundwasserverordnung (GrwVO) in nationales Recht umgesetzt wurden, bewertet. Bei Einhaltung dieser Werte ist der GWK in einem guten chemischen Zustand.

Von den o. g. GWK in Hessen befinden sich 25 in einem schlechten chemischen Zustand. 19 aufgrund der Nitratbelastungen, darunter acht wegen gleichzeitiger Überschreitungen der Qualitätsnormen für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe. Aufgrund der Salzabwasserversenkung befinden sich zudem sieben GWK in einem schlechten Zustand.

Zur Herstellung eines guten Zustands und zum Schutz vor schädlichen Veränderungen (Verschlechterungsverbot) werden verschiedene Maßnahmen angewandt. Ende 2015 wurde das 2. Maßnahmenprogramm aufgestellt (http://flussgebiete.hessen.de/). Dieses ist als zentrales Instrument wasserwirtschaftlichen Handelns zu verstehen und dient darüber hinaus der Berichterstattung gegenüber der Europäischen Kommission.

In Hessen wird eine grundwasserschutzorientierte landwirtschaftliche Beratung mit Schwerpunkt auf einer Reduktion des Stickstoffeinsatzes umgesetzt. Hierzu wurden aufgrund der Belastung des Grundwassers und dem Belastungspotenzial (abhängig von Bodenbeschaffenheit und Landbewirtschaftung) Maßnahmenräume auf Gemarkungsebene abgegrenzt. Die Maßnahmenpriorität leitet sich direkt aus dem Bewertungsindex ab und steuert die Intensität der Beratung, von einer allgemeinen grundwasserschonenden Grundberatung bis hin zu einer einzelbetrieblichen Intensivberatung. Die Zusammenarbeit beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Derzeit sind rd. zwei Drittel der betroffenen hessischen Landwirte beteiligt.

Mit der am 02.06.2017 in Kraft getretene Düngeverordnung (DüV) besteht nun die Verpflichtung Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der EG-Nitratrichtlinie umzusetzen. Damit ist ein eindeutiger Bezug zur Grundwasserverordnung gewährleistet, aus­reichend Rechtssicherheit und eine einheitliche bundesweite Basis gegeben. Es kristallisieren sich einige Maßnahmen heraus, aber es ist auch absehbar, dass es keine einheitliche Anwendung der Maßnahmen in den Ländern geben wird.