Isotopenuntersuchungen an der Wasserversorgungsanlage einer kupferzeitlichen Siedlung in Südostspanien

Anorte Elisabeth Jakowski1, Andrea Schröder-Ritzrau2, Norbert Frank2, José Miguel Alonso Blanco3
1 Ingenieurbüro Jung, Kleinostheim
2 Institut für Umweltphysik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
3 Ofitec 2011, Almeria

11.4 in Isotopenmethoden zur Analyse von Stoffumsatz und Fließprozessen

28.03.2020, 09:45-10:00, Weißer Saal

Eine der größten kupferzeitlichen Befestigungsanlagen der Iberischen Halbinsel liegt in den teilweise verfestigten plio-/ pleistozänen Lockersedimenten der Ebene von Los Millares, 15 km nördlich der Hafenstadt Almería. Von den Wasserversorgungsanlagen dieser Siedlung wurden (I) ein mutmaßlicher Durchlass in der äußeren Befestigungsmauer, (II) ein stark versintertes Fundament zwischen der äußeren und der zweiten Befestigungsmauer sowie (III) vier mutmaßliche Wasserspeicher freigelegt. Mit Hilfe hydrogeologischer und -geochemischer Methoden konnte nachgewiesen werden, dass die Siedlung über ein aufwendiges Wasserversorgungssystem mit einer kilometerlangen Wasserleitung und einer dazugehörigen Quelle verfügte. Außerdem konnten Daten zur Wasserbeschaffenheit und zu den klimatischen Bedingungen in der Kupferzeit in Südostspanien gewonnen werden:  

Die 230Th/U-Datierung von 17 Sinterproben des Aquäduktfundaments ermöglichte die Eingrenzung des Zeitraums, in dem der Aquädukt bestand und Wasser führte. Die Altersuntersuchungen ergaben, dass die Sinterablagerungen in der frühen und mittleren Kupferzeit zwischen 3.541 v. Chr. (+/- 92 Jahre) und 2.591 v. Chr. (+/- 22 Jahre) entstanden sind, womit der Nachweis für die wahrscheinlich älteste Wasserleitung auf der Iberischen Halbinsel erbracht werden konnte.

Bei der hydrogeologischen Geländebegehung zur Prospektion möglicher kupferzeitlicher Quellaustritte wurden an sechs Aufschlüssen Sinterproben entnommen. Die Versinterungen an fünf Aufschlüsse sind wesentlich älter und im Mittel- bis Jungpleistozän entstanden. Erfolgreich war jedoch die Untersuchung von Sintern, etwa 1,2 km von der Befestigungsanlage entfernt am oberen Ende einer die Ebene von Los Millares begrenzenden Schlucht. Die entnommenen Proben erbrachten die Alter 1.832 v. Chr. (+/- 224 Jahre) und 1.936 v. Chr. (+/- 233 Jahre). Diese Daten passen zum Ende der Kupferzeit auf der Iberischen Halbinsel. An dieser Stelle ist demnach nachweislich noch Wasser geflossen, als bzw. kurz nachdem Los Millares aufgelassen wurde. Mit Hilfe der 87Sr/86Sr-Verhältnisse konnte ein Zusammenhang dieser Versinterungen mit dem Aquädukt hergestellt werden.

Durch einen Vergleich der Isotopenzusammensetzung (234U/238U und 87Sr/86Sr) der Sinterablagerungen mit vier Grundwasserproben und einer Thermalwasserprobe aus der näheren Umgebung von Los Millares konnte das Einzugsgebiet und damit die Lage der (heute nicht mehr existierenden) kupferzeitlichen Quelle ermittelt werden. Außerdem wurde gezeigt, dass diese ein Mischwasser aus oberflächennahem Grundwasser und Thermalwasser mit zeitlich variierenden Anteilen schüttete. Die Schwankungen in der Isotopenzusammensetzung des Quellwassers werden auf klimatische Einflüsse zurückgeführt. Die Versinterungen von Los Millares können daher als Klimaarchiv der frühen und mittleren Kupferzeit im Südosten der Iberischen Halbinsel genutzt werden.

 



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