Maßnahmen zur Minimierung des Schadstoffaustrages aus den industriellen Absetzanlagen der ehemaligen Uranerzaufbereitung in Grund- und Oberflächenwasser

Robert Sieland1, Manja Haupt1, Thomas Metschies1, Jürgen Müller1, Ulf Barnekow1
1 Wismut GmbH

7.4 in Grundwasser und Bergbau

26.03.2020, 14:30-14:45, Telemann-Saal

Im Bergbaugebiet Seelingstädt (Thüringen) wurde von 1951 bis 1967 Uranerz in Tagebauen gewonnen. Zwischen 1960 und 1990 wurde Uranerz des Thüringer Bergbaudistrikts in der Erzaufbereitungsanlage Seelingstädt hydrometallurgisch gelaugt. Im Vorfeld wurden zur Vorbereitung der Tailingseinspülung Dämme aus Haldenmaterial errichtet. Die Rückstände der Erzlaugung wurden von 1960 bis 1967 in die industrielle Absetzanlage (IAA) Trünzig und von 1967 bis 1990 in die IAA Culmitzsch eingespült.

Seit 1990 werden am Standort Seelingstädt die beiden IAA, in die insgesamt 104 Mio. m³ Tailings der Uranerzaufbereitung eingelagert sind, nach dem Prinzip der trockenen in-situ-Verwahrung saniert. Die Sanierung umfasst die Zwischenabdeckung der Tailings, die geotechnische Stabilisierung der Schlämme und der Dämme, die Schaffung einer neuen Oberflächenkontur zur Gewährleistung des schadlosen Oberflächenwasserabflusses, die Endabdeckung und Begrünung der Beckenflächen sowie die Anbindung des Oberflächenabflusses von den IAA an die Vorfluter. Darüber hinaus wurden und werden auch zukünftig komplexe hydraulische Einrichtungen zur Fassung und Behandlung kontaminierter Wässer errichtet und betrieben.

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der sog. Cumitzschaue, die sich in einem Tal zwischen den beiden IAA Culmitzsch und Trünzig befindet. Kontaminierte Porenwässer gelangen diffus über die Grundwasserleiter in die Vorflut.

Im Rahmen der Sanierung wurde ein Wassermanagementsystem etabliert, dass eine Vielzahl von Maßnahmen zur Minimierung der Umweltauswirkungen insbesondere auf Grund- und Oberflächenwasser umfasst:

  • Minimierung der Infiltrationsrate in den Tailingsbereichen durch Mehrschichtabdeckung
  • Betrieb von Abwehrbrunnen im Bereich sandiger Tailings zur Reduzierung des  Sickerwasserabstromes in Richtung Vorfluter
  • Fassung sämtlicher Sicker- und Porenwässer und Reinigung in der Wasserbehandlungsanlage (WBA) Seelingstädt (Abtrennung der Hauptkontaminanten U, Ra-226 sowie begleitender Metalle; Neutralsalzgehalte werden technologiebedingt nicht behandelt)
  • Überwachung und Steuerung der Abgabe von gereinigtem Wasser aus der WBA in die Vorflut durch Zugabe von Brauchwasser (Salzlaststeuerung)
  • Identifizierung von diffusen Schadstoffzutritten aus den IAAs in die Vorflut über ein Screening während Stillstandszeiten der WBA und bei Niedrigwasserabflüssen des Vorfluters
  • Minimierung diffuser Sickerwasserzutritte durch Ausbau im Vorfeld der IAAs existierender Grundwasserbeobachtungsmessstellen zu Brunnen zur Förderung und Behandlung kontaminierter Grundwässer

Der Beitrag stellt die Herausforderungen und Lösungsansätze der verschiedenen Maßnahmen in Bezug auf den Umgang mit kontaminierten Poren- und Sickerwässern im Kontext der Gesamtsanierung am Standort Seelingstädt dar.



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