Klassische Methoden zur Bestimmung der Grundwasserneubildung unter neuen Klimabedingungen

Stefanie Wolf1, Uwe Hekel1
1 HPC AG Rottenburg, Fachbereich Grundwasser

6.6 in Hydrogeologie in der Praxis

27.03.2020, 12:00-12:15, Händel-Saal

Bei Genehmigungsverfahren für Grundwasserentnahmen oder Bebauungspläne sind mögliche Auswirkungen auf das Grundwasserdargebot eine wesentliche Bewertungsgrundlage. Nach der Abgrenzung des betroffenen Einzugsgebiets ist die Grundwasserneubildung der wesentliche Eingangsparameter zur Bestimmung des Grundwasserdargebots.

In der Praxis ist es bei kleinskaligen Einzelvorhaben häufig nicht möglich, Auswirkungen von Trink- und Mineralwassererschließungen oder auch Flächenversiegelungen in aufwändigen Modellen zu betrachten.

Eine günstige Vorgehensweise ist die klassische Bestimmung der Grundwasserneubildung in einem Excel-Sheet als täglicher Überschuss des Bodenwasservorrats nach Uhlig. Dieser wird durch einen Niederschlagsüberschuss aufgefüllt und durch einen Verdunstungsüberschuss verringert. Die Verdunstung kann dabei z.B. nach Haude in Abhängigkeit von der Temperatur und Luftfeuchte berechnet werden. Durch einen entsprechenden Abzug bei der Neubildung bzw. Neubildungsfläche können die Relevanz geplanter Wasserentnahmen und die Auswirkung von Flächenversiegelungen untersucht werden. Da in die Berechnung Klimaparameter wie Niederschläge und Temperatur eingehen, kann die Methode auch zur Abschätzung der Auswirkung von Klimaänderungen verwendet werden.

In einem ersten Projektbeispiel wird die Methode anhand einer Wassererschließung im Nord­schwarzwald vorgestellt. Zur Validierung der Berechnung können bei diesem Projekt langjährige Grundwasserganglinien im Einzugsgebiet herangezogen werden.

In einem zweiten Projektbeispiel wird untersucht, welche Auswirkung Flächenversiegelungen durch ein geplantes Baugebiet auf Quellschüttungen und grundwasserabhängige Biotope haben kann. Hierbei werden auch Klimaparameter variiert, um die Auswirkungen in trockenen Jahren, bei geänderter Verteilung von Sommer- und Winterniederschlägen sowie bei einer Temperaturerhöhung abzuschätzen.

Ganglinien des Niederschlags und Grundwasserstands sowie der berechneten Größen Evapotranspiration, Bodenwasserdefizit und Grundwasserneubildung
Ganglinien des Niederschlags und Grundwasserstands sowie der berechneten Größen Evapotranspiration, Bodenwasserdefizit und Grundwasserneubildung



Haude, W. (1955): Zur Bestimmung der Verdunstung auf möglichst einfache Weise. Mitt. d. Dt. Wetterd.2, Nr. 11

Uhlig, S. (1959): Wasserhaushaltsbetrachtungen nach Thornthwaite, Acker- und Pflanzenbau, 109, Berlin



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