Wahrnehmungen und Auswirkungen von Geschlechterungleichheit in den Geowissenschaften

Stefanie Lutz1, Andrea Popp2, Sina Khatami3, Tim van Emmerik4, Wouter Knoben5
1 Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ
2 Eawag, ETH Zürich
3 University of Melbourne
4 Wageningen University
5 University of Saskatchewan

13.4 in Freie Themen

27.03.2020, 14:45-15:00, Händel-Saal

Während immer mehr junge Frauen ein Masterstudium oder eine Promotion in den Geowissenschaften abschließen, so ist die Zahl der Geowissenschaftlerinnen auf höheren Karrierestufen nach wie vor gering. Die Ursachen für dieses Phänomen, die so genannte "leaky pipeline", sind vielfältig, und Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Problems haben sich oft als ineffizient erwiesen. Allgegenwärtige geschlechtsbezogene Verzerrungseffekte (hier zusammengefasst unter Gender-Bias) gelten als einer der Hauptgründe für das Fortbestehen der leaky pipeline in der Wissenschaft. Um zu beurteilen, wie Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler das Geschlechterungleichgewicht und Gender-Bias wahrnehmen und sich davon beeinflusst fühlen, haben wir die erste globale anonyme Umfrage zur Geschlechtergleichstellung in den Geowissenschaften mit einer Gesamtzahl von 1220 Teilnehmern aus der Wissenschaft (67,0% weiblich und 33,0% männlich) durchgeführt.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl die Wahrnehmung als auch die Auswirkungen von Gender-Bias stark zwischen den Geschlechtern unterscheiden, wobei Frauen in höherem Maße von Erfahrungen mit Gender-Bias und negativen Auswirkungen auf ihr Berufsleben berichten als Männer. Beispielsweise ist laut der Umfrage die Wahrscheinlichkeit, dass Geowissenschaftlerinnen an ihrem Arbeitsplatz Gender-Bias erleben, mehr als doppelt so hoch wie für ihre männlichen Kollegen (25,8% bzw. 9,5%). Zudem fühlen sich Geowissenschaftlerinnen im Vergleich zu den männlichen Befragten in weitaus höherem Maße durch ein Ungleichgewicht im Geschlechterverhältnis auf Konferenzen beeinflusst (58,1% vs. 24,9%). Drittens sind Vorbilder, insbesondere weibliche, für Geowissenschaftlerinnen relevanter als für ihre männlichen Kollegen (83,6% vs. 62,2%). Angesichts dieser Unterschiede betont unsere Studie, dass die geschlechtsspezifische Ungleichheit innerhalb unserer wissenschaftlichen Community aktiver angegangen werden muss. Dazu schlagen wir folgende Maßnahmen vor: (1) obligatorisches Gender-Bias Training für Wissenschaftler*innen, (2) transparente Auswahlkriterien für wissenschaftliche Stellen und Fördermittel, (3) Gewährleistung eines flexiblen und familienfreundlichen Arbeitsumfelds, (4) eine ausgewogenere und vielfältigere Zusammensetzung von Entscheidungsgremien in der Wissenschaft, und (5) eine offene und fortlaufende Diskussion über die Geschlechtergleichstellung, an der sich Forschende aller Geschlechter und Karrierelevels beteiligen.

Erfahrungen mit Gender-Bias an geowissenschaften Institutionen.
Erfahrungen mit Gender-Bias an geowissenschaften Institutionen.



Popp, A. L., Lutz, S. R., Khatami, S., Emmerik, T., & Knoben, W. J. M. (2019). A Global Survey on the Perceptions and Impacts of Gender Inequality in the Earth and Space Sciences. Earth and Space Science, 6, 1460–1468. https://doi.org/10.1029/2019EA000706



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