Bilanzierung punktförmiger und diffuser (Schad-)stoffzutritte in die Freiberger Mulde zwischen Berthelsdorf und Siebenlehn

Diana Burghardt1, Gesche Marie Reumann1, Corina Hauffe2, Jens Grundmann2, Lucas Höfer1, Johannes Lieder1, Christine Stevens3, Peter Börke4
1 TU Dresden, Institut für Grundwasserwirtschaft
2 TU Dresden, Institut für Hydrologie und Meteorologie
3 LfULG, Ref. 44 Oberflächenwasser, Wasserrahmenrichtlinie
4 LfULG, Ref. 43 Siedlungswasserwirtschaft, Grundwasser

7.1 in Grundwasser und Bergbau

26.03.2020, 13:45-14:00, Telemann-Saal

Gemäß der EU Wasserrahmenrichtlinie (WRRL/2000/60/EG) ist bis spätestens 2027 für alle Ober­flächen- und Grundwasserkörper (OWK und GWK) der gute chemische Zustand zu erreichen. Ins­be­sondere in den sächsischen Alterzbergbaugebieten liegen jedoch derzeit Schwermetall-, Arsen- und Sulfatbelastungen in OWK und GWK vor, welche eine Verfehlung dieser Zielstellung besorgen lassen. Belastungsquellen für die OWK können z.B. punktförmige Zuflüsse aus Wasserlösestollen oder diffuse Zutritte aus Alt­berg­bauhalden, Altstandorten z.B. der Verhüttung, belasteten Böden, remobili­sier­ten Altsedimenten in Gewässern aber auch dem Grundwasser sein. Letzteres ist oft nicht mit ver­hältnismäßigen Maßnahmen sanierbar. Auf der Grundlage einer Bilanzierung von punkt­förmigen (Schad-)stoffquellen und diffusen (Schad-)stoffzutritten können wichtige Entscheidungen zu Sanier­ungs­­maßnahmen für Oberflächengewässer sowie den in der Praxis erreichbaren, bestmöglichen Zustand der OWK getroffen werden. Die Datenbasis zur Berechnung entsprechender Frachtanteile von (Schad-)stoffen, die das Oberflächenwasser über das Grundwasser erreichen, ist jedoch i.d.R. unzu­reichend. Oftmals werden nur Beschaffenheitsdaten analysiert und keine Abflüsse gemessen.

Im Rahmen einer Studie im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG, 2019) wurde an der TU Dresden für 78 belastete OWK Sachsens ein analytischer Ansatz zur Bilanzierung diffuser und punktförmiger Frachtanteile von SO4, As, Cd, Cu, Ni, Hg, Pb, Zn, Fe und SO4 auf Basis von Daten aus dem Wasserhaushaltsportal Sachsen und dem Online-Portal iDa des LfULG verfolgt. Dieser Ansatz sollte am Beispiel des Freiberger Raumes (GWK ‚Freiberger Mulde‘) durch praktische Beschaffenheits- und Abflussanalysen validiert werden. Für einzelne Abschnitte der Freiberger Mulde wurden in der Vergangenheit schon recht aufwändig Schwermetall- und Arsen­konzen­trationen von punktförmigen Quellen (Wasserlösestollen, Zuflüsse) analysiert (Greif, 2015 sowie Greif, 2013), Abflüsse jedoch zumeist nur geschätzt. Der Vortrag thematisiert die Bilanzierung diffuser und punktförmiger (Schad-)stofffrachtanteile, die im Rahmen von zwei Begehungen der Freiberger Mulde zwischen Berthelsdorf und Siebenlehn im Jahr 2019 ermittelt wurden (Reumann, 2019 und Höfer& Lieder, 2019), Bei 12 der 76 identifizierten Zuflüsse wurden deutliche Über­schreit­ungen der Grenzwerte der Umweltqualitätsnorm für mehrere Schadstoffe ermittelt. Mit Aus­nahme von Ni und SO4 konnten die Frachten der einzelnen Schadstoffe am Auslass des Unter­suchungs­abschnittes Siebenlehn auf Punktquellen zurückgeführt werden.



EU Wasserrahmenrichtlinie (WRRL/2000/60/EG): Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik (ABl. L 327, 22.12.2000, p.1) (=Wasserrahmenrichtlinie).

Greif, A. (2013): Studie zur Charakterisierung der Schadstoffeinträge aus den Erzbergbaurevieren der Mulde in die Elbe. Abschlussbericht im Auftrag der BSU Hamburg, TU Bergakademie Freiberg

Greif, A. (2015): Das Einzugsgebiet der Mulde oberhalb des Muldestausees im Spiegel des erzgebirgischen Bergbaus. Hydrologie und Wasserbewirtschaftung, Heft 6, HW 59. (2015).

Höfer, L. & Lieder, J. (2019): Praktische Untersuchungen zu Abschätzungen diffuser Schadstoffeinträge in die Freiberger Mulde von Berthelsdorf bis Siebenlehn (Gruppenbachelorarbeit) am Institut für Grundwasserwirtschaft der TU Dresden.

LfULG, 2019: Anwendung KliWES zur Prüfung des Einflusses von Alterzbergbau-belasteten Grundwässern auf die von ihnen zum Teil gespeisten Oberflächenwasserkörper. Studie am Institut für Hydrologie und am Institut für Grundwasserwirtschaft der TU Dresden im Auftrag des LfULG. Bearbeiter: Corina Haufe, Gesche Marie Reumann, Diana Burghardt, Judith Schache. 

Reumann, G. M. (2019): Ermittlung diffuser Stoffeinträge aus alterzgbergbaubelasteten Grundwässern in die sächsischen Oberflächengewässer auf Basis von Wasserhaushaltsdaten sowie Validierung dieser Methodik durch Abfluss- und Beschaffenheitsanalysen im Untersuchungsgebiet Freiberger Mulde von Berthelsdorf bis Siebenlehn. MSc-Arbeit am Institut für Grundwasserwirtschaft der TU Dresden



Export as iCal: Export iCal