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DESCRIPTION:Während der letzten Jahre wurde eine Vielzahl extremer Hochwass
 erereignisse verzeichnet\, die fast alle Flussgebiete Deutschlands\, wie d
 en Rhein\, 1993 und 1995\, die Saale und die Bode\, 1994\, die Oder\, 1997
 \, die Donau\, 1999 und 2002\, 2006 und die Elbe\, 2002 und 2006 betrafen.
  Auch international gab es eine Reihe extremer\, teilweise katastrophaler 
 Hochwasserereignisse\, so etwa auf der iberischen Halbinsel\, in der Slowa
 kei\, in Frankreich\, in der Schweiz\, am Mississippi\, in Mittelamerika\,
  in Bangla Desh\, in China und in Venezuela. Die spektakulären Hochwasser 
 an der Oder und an der Elbe haben die Hochwasserfrage auch bei uns in den 
 Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken lassen. Neben der gestiegen
 en Anzahl von Hochwasserereignissen ist eine noch wesentlich dramatischere
  Steigerung der Hochwasserschäden zu beobachten.\nEs gibt Hinweise\, dass 
 Änderungen der Landnutzung\, Flussbaumaßnahmen oder die anthropogene Klima
 änderung bedeutende Auswirkungen auf die Hochwassersituation an Flüssen ha
 ben. In der öffentlichen Diskussion werden dann oftmals die extremen Abflü
 sse oder die hohen Schäden auf diese Aktivitäten des Menschen zurückgeführ
 t. Allerdings sind die Unsicherheiten\, die mit einer Quantifizierung dies
 er Auswirkungen behaftet sind\, immer noch sehr groß. Insbesondere gilt di
 es für die mit einer Klimaänderung verbundenen Niederschlagsänderungen in 
 verschiedenen räumlichen und zeitlichen Maßstabsbereichen und für die Unte
 rschiede in den Auswirkungen in verschiedenen Klimaregionen. Besonders wic
 htig - aber auch besonders unsicher - ist die Frage einer möglichen Änderu
 ng der Wetteranomalien und der damit verbundenen hydrologischen Extreme.\n
 \nIn diesem Vortrag werden neue Forschungsergebnisse vorgestellt und der a
 ktuelle Kenntnisstand bezüglich der verschiedenartigen Einwirkungen des Me
 nschen auf die Hochwassersituation zusammengefasst\, die Auswirkungen mit 
 der natürlichen Variabilität des Abflussgeschehens verglichen. In einem zw
 eiten Schritt werden kurz moderne klimatologische und hydrologische Modell
 ierungsmethoden vorgestellt und deren Anwendungsmöglichkeiten\, -erfolge u
 nd ¶grenzen bzgl. der Quantifizierung von Abflussveränderungen diskutiert.
  Letztlich werden Beispiele zum Thema aus verschiedenen Flussgebieten in E
 uropa gegeben: Lein (Kraichgau\, Südwestdeutschland)\, Obere Selke (Harz)\
 , Mulde (Sachsen)\, Rhein\, Pinios (Griechenland).\n\nAus den Forschungen\
 , die in den letzten Jahren auch maßgeblich in Potsdam durchgeführt wurden
 \, lassen sich folgende Ergebnisse ableiten:\nDie Entstehung von Hochwasse
 r in einem Einzugsgebiet und der Ablauf desselben in einem Flusssystem ist
  ein sehr komplexer und sowohl zeitlich als auch räumlich sehr variabler V
 organg. Charakteristische Änderungen von Hochwasserbedingungen lassen sich
  daher zumeist nur ungenau von einer \'natürlichen\' Variabilität trennen.
  Trotzdem gibt es eine Reihe von Hinweisen\, dass der Mensch durch seine E
 ingriffe in die Natur Hochwasserbedingungen verändert hat (z.T. auch entsc
 härft!). Generell müssen zumindest drei thematische Ebenen unterschieden w
 erden:\n\n\n1.	Stärke\, Dauer und Häufigkeit von Starkniederschlägen und ge
 gebenenfalls Einfluss der Klimaänderung darauf.\n\nStarkniederschläge tret
 en (definitionsgemäß) selten auf. Insbesondere bei sehr starken Regenfälle
 n (\'Extremniederschläge\') sind sie damit fast immer unerwartet und deren
  Auswirkungen stellen eine Bedrohung für die relativ unvorbereitete Bevölk
 erung dar. Dieses Verhalten der Bevölkerung ist ein schon langes bekanntes
  Phänomen und hat erst einmal nichts mit der Einwirkung des Menschen auf d
 as Klimasystem zu tun. Daher haben Starkniederschläge auch früher schon im
 mer wieder große Schäden verursacht. Trotzdem ist die Frage möglicher Ände
 rungen des Auftretens von Starkniederschlägen in Verbindung mit Klimaänder
 ungen von großem Interesse:\nDie anthropogene Klimaerwärmung\, hervorgeruf
 en durch die Emission von Treibhausgasen\, macht sich sowohl global als au
 ch regional bereits heute bemerkbar und ist insbesondere durch eine Erhöhu
 ng der Temperatur der unteren Atmosphäre zu beobachten. Global beträgt die
 ser Wert über die letzten 40 Jahre etwa 0\,7 °C\, regional für Brandenburg
  etwa 1°C. Zudem ist teilweise eine geänderte Auftretenshäufigkeit bestimm
 ter Wetterlagentypen festzustellen\, was ebenfalls mit der Klimaänderung i
 n Zusammenhang gebracht werden kann. Bezüglich der künftigen\, vom Mensche
 n beeinflussten Klimabedingungen Brandenburgs lässt sich vor allem die Zun
 ahme der Temperatur als gesicherte Erkenntnis festhalten\, wobei für die n
 ächsten 50 Jahre mit einer Temperatursteigerung von mindestens 1\,5 °C zu 
 rechnen ist. Mit einer Zunahme der hydrologischen Variabilität (also sowoh
 l mehr Hochwasser- als auch Trockenereignisse) wird gerechnet.\nBezüglich 
 der Hochwasserereignisse ist für die großen Flüsse Brandenburgs (Oder und 
 Elbe) insbesondere die beobachtete Zunahme der Wetterlagen \'Troglagen übe
 r Mitteleuropa\' in den Sommermonaten relevant. Eine gewisse\, in den letz
 ten Dekaden beobachtete Verschiebung des Niederschlags von den Sommer- zu 
 den Wintermonaten (Abnahme im Sommer\, Zunahme im Winter) widerspricht nic
 ht der festgestellten Änderung der Wetterlagen\, da eine Zunahme von Stark
 niederschlägen nicht zwangsläufig mit einer Erhöhung der Gesamtniederschla
 gssumme einher geht. Generell ist zu bedenken\, dass die Hochwasser an den
  großen Flüssen Brandenburgs (Oder und Elbe) nicht in Brandenburg entstehe
 n\, und deswegen die für Hochwasserereignisse relevanten Klimabedingungen 
 in den Oberläufen dieser Flüsse (Beskiden\, Riesengebirge\, Altvatergebirg
 e\; Böhmen\, Erzgebirge\, Thüringer Wald\, ...) zu betrachten sind. Mit ho
 her Sicherheit kann bereits heute für diese Flussgebiete festgestellt werd
 en\, dass aufgrund steigender Temperaturen mit einem weiteren Rückgang der
  Auftretenshäufigkeit von Eishochwasserereignissen zu rechnen ist.\n\n\n2.
 	Entstehung von \'Überschusswasser\' im Einzugsgebiet\, welches zur Hochwas
 serbildung beiträgt bzw. die Fähigkeit der Landschaft Teile eines starken 
 Niederschlags speichern zu können.\n\nDie Landoberfläche weiter Teile Mitt
 eleuropas hat in der Vergangenheit bedeutende Eingriffe erfahren\, die zwe
 ifellos einen Einfluss auf die Abflussbildung\, insbesondere die Bildung v
 on Oberflächenabfluss\, in dieser Region haben. Folgende Fragen haben dabe
 i grundlegende Bedeutung: 1) Wie stark ist der Einfluss von Landnutzungsän
 derungen auf die Bildung von Abfluss infolge Starkregenereignissen in meso
 skaligen Gebieten\; und 2) in welchem Maße kann die Hochwassersituation du
 rch gezielte Rückhaltemaßnahmen in der Landschaft entschärft werden ? Der 
 momentane Forschungsstand erlaubt dazu folgende Antworten:\nDer Einfluss e
 iner geänderten Landnutzung auf die Hochwasserentstehung - sei es Hochwass
 er verschärfend durch reduzierten Rückhalt auf der Landoberfläche und im B
 oden oder Hochwasser mindernd durch vermehrten Rückhalt - ist in Gebieten 
 mittlerer Größe (ca. 100 bis 1000 km²) für konvektive Ereignisse mit hohen
  Niederschlagsintensitäten wesentlich größer (in der Abflussspitze bis zu 
 ca. 20%) als für langanhaltende advektive Niederschlagsereignisse mit meis
 t deutlich geringeren Niederschlagsintensitäten (0-5 %).\nKonvektive Niede
 rschlagsereignisse sind jedoch für die Hochwasserentstehung in den großen 
 Flussgebieten Mitteleuropas aufgrund deren lokalen Charakters von vernachl
 ässigbarer Bedeutung. Für advektive Starkniederschläge (geringe Intensität
 en\, große Überregnungsflächen und -dauern) ist die Landnutzung dagegen vo
 n geringer bis sogar vernachlässigbarer Relevanz\, da diese Niederschlagst
 ypen fast ausschließlich unterirdisch kontrollierte Abflussprozesse auslös
 en\, die kaum durch die Bedingungen an der Landoberfläche beeinflusst werd
 en. Da die Hochwasserereignisse an den großen Flüssen Mitteleuropas i.d.R.
  durch advektive Niederschläge hervorgerufen werden\, sind für diese große
 n Einzugsgebiete Landnutzungsänderungen von untergeordneter Bedeutung.\nGe
 nerell gilt: Je feuchter das Gebiet und je größer das Niederschlagsvolumen
 \, desto geringer der Einfluss der Landoberfläche und desto geringer auch 
 die Auswirkungen von Änderungen derselben.\n\n\n3.	Geschwindigkeit des Hoch
 wasserablaufs im Fluss und mögliche Verlangsamung bzw. Zwischenspeicherung
  eines Teils des Hochwassers durch Ausuferungen des Flusses\n\nDie Hochwas
 serablaufberechnungen in großen Flusssystemen (insb. dem Rhein) zeigen\, d
 ass durch die Überlagerungen von Wellen aus den verschiedenen Teileinzugsg
 ebieten die maximalen Wirkungen des Wasserrückhaltes in der Landschaft (Ve
 rgrößerung/Verkleinerung der Abflüsse) regelmäßig im Wellenanstieg und deu
 tlich vor den Scheiteln eintreten. Die Wirkung auf den Abfluss-Scheitel (w
 elcher für die Überschwemmungsgefährdung entscheidend ist !) ist also deut
 lich geringer.\nIn Teilgebieten erzeugte Dämpfungen der Hochwasserscheitel
  sind in aller Regel auch in den Unterläufen großer Flüsse Lobith noch nac
 hweisbar\, allerdings nur in einer geringen bis sehr geringen Größenordnun
 g. Diese Wirkungen des Wasserrückhalts in den Landschaften der Oberläufe b
 elaufen sich beispielsweise für den Rhein am Unterlauf (z.B. niederländisc
 he Grenze) auf nur 1 cm bis 5 cm.\n\nDie Nutzung großer Wasserrückhalteflä
 chen direkt an den großen Flüssen (z.B. Havelpolder zum Rückhalt der Elbeh
 ochwasser) kann zu beträchtlichen Reduktionen der Hochwasserscheitel führe
 n. Im Falle des Elbehochwassers waren dies z.B. fast 50 cm. Dabei ist aber
  unbedingt zu beachten\, dass diese Rückhalteflächen: 1) in der Lage sein 
 müssen\, sehr große Wassermassen zu speichern\; 2) i.d.R. nur bei einer ge
 steuerten Wasserrückhaltung eine effektive Reduktion des Wasserstandes erf
 olgt\, und 3) in den betroffenen Rückhalteräumen durch die dortigen Übersc
 hwemmungen z.T. erhebliche Schäden entstehen können.\n\nLiteratur des Auto
 rs zum Thema:\nBronstert\, A. (2005): Rainfall-runoff modelling for assess
 ing impacts of climate and land use change\, Chapter 132 in: MG Anderson &
  JJ McDonnell (Eds) Encyclopedia of Hydrological Sciences\, John Wiley & S
 ons\, 2033-2060.\nBronstert\, A. (2003): Floods and climate change: Intera
 ctions and impacts. Risk Analysis\, 23(3)\, 545-557\nNiehoff\, D.\, Fritsc
 h\, U.\, Bronstert\, A. (2002): Land-use impacts on storm-runoff generatio
 n: Scenarios of land-use change and simulation of hydrological response in
  a meso-scale catchment in SW-Germany. Journal of Hydrology\, 267(1-2)\, 8
 0-93.\nNiehoff\, D.\, Bronstert\, A. (2002): Landnutzung und Hochwasserent
 stehung: Modellierung anhand dreier mesoskaliger Einzugsgebiete\, Wasser u
 nd Boden\, 54(10)\, 20-28\nKatzenmaier\, D.\, Fritsch\, U.\, Bronstert\, A
 . (2001): Quantifizierung des Einflusses von Landnutzung und dezentraler V
 ersickerung auf die Hochwasserentstehung. Kapitel 18 in: Heiden\, S.\, Erb
 \, R.\, Sieker\, F. (Hrsg.) \'Hochwasserschutz heute - Nachhaltiges Manage
 ment\'. Erich Schmidt Verlag\, Berlin\, 327-357\nBronstert\, A.\, Fritsch\
 , U.\, Leonhardt\, H.\, Niehoff D. (2001): Quantifizierung des Einflusses 
 von Landnutzungs- und Klimaänderungen auf die Hochwasserentstehung am Beis
 piel ausgewählter Flussgebiete. Hydrologie und Wasserbewirtschaftung\, 45(
 5)\, 213-216
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SUMMARY:Prof. Dr. Axel Bronstert\, Lehrstuhl für Hydrologie und Klimatologi
 e\, Universität Potsdam: Landnutzung\, Flussbau\, Klima: Wie beeinflusst d
 er Mensch die Hochwasser an unseren Flüssen?
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