Es ist bekannt, dass alle Orchideen unter natürlichen Bedingungen zur Samenkeimung Pilzpartner benötigen, von denen sie Kohlenstoff und Stickstoff beziehen. Auch im adulten Stadium besitzen Orchideen solche Mykorrhizen. Dabei gibt es verschiedene Ernährungsmodi. Vollständig autotrophe, vollständig mykoheterotrophe und partiell mykoheterotrophe Ernährungsweisen verschiedener Orchideen sind bekannt. Die beiden letztgenannten Formen scheinen als Pilzpartner Ektomykorrhizapilze zu benötigen. Unter ähnlichen klimatischen Bedingungen herrscht im Mittelmeerraum im Gegensatz zu Makaronesien eine hohe Diversität an Orchideenarten. So fehlen in Makaronesien vollständig oder partiell mykoheterotrophe Vertreter des Tribus Neottineae. Es stellt sich die Frage, ob das Fehlen geeigneter Ektomykorrhiza-Pilzpartner für die Artenarmut an Orchideen in Makaronesien verantwortlich ist. Für dieses Projekt wurden stellvertretend Standorte auf dem Festland Italiens, Sardiniens und Teneriffas ausgewählt. Orchideensamen wurden mit Hilfe der Samenpaket-Methode an den unterschiedlichen Standorten ausgebracht, einerseits waren dies jeweils einheimische Orchideen, andererseits wurden von Italien Samen nach Teneriffa gebracht, um das Keimungsverhalten zu untersuchen. An den gekeimten Samen werden Isotopenuntersuchungen (13C, 15N) durchgeführt um die Quelle des inkorporierten Kohlenstoffs und Stickstoff zu erschließen. Des Weiteren werden die beteiligten Pilzpartner mit Hilfe von DNA-Untersuchungen bestimmt.