Becker, N; Krüger, A; Kuhn, C; Plenge-Bönig, A; Thomas, S M; Schmidt-Chanasit, J; Tannich, E: Stechmücken als Überträger exotischer Krankheitserreger in Deutschland, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 57(5), 531-540 (2014), doi:10.1007/s00103-013-1918-8 [Link]
Abstract:

Stechmücken (Familie Culicidae) sind mit über 3500 Arten weltweit die größte Gruppe blutsaugender Insekten und repräsentieren die wichtigsten medizinisch relevanten Arthropoden. Ihre Vektorkompetenz umfasst nahezu alle Gruppen von Mikroorgansimen, einschließlich Viren, Bakterien, Protozoen und Helminthen. Die weltweit bedeutendsten Stechmücken-assoziierten Erkrankungen sind virusbedingte Infektionen durch Dengue-(DENV), Chikungunya-(CHIKV) oder West-Nil-Viren (WNV),aber auch Infektionserkrankungen durch Parasiten wie Malaria und Filariosen gehören dazu. Bis vor wenigen Jahren wurden diese Infektionen fast ausschließlich in Afrika und Asien übertragen. In den letzten 10 Jahren hat sich die Situation zunehmend verändert. Neuerdings können sie auch in Europa erworben werden und haben bereits zu kleineren Epidemien von West-Nil- und Chikungunya-Fieber geführt. Auch autochthone DENV-Infektionen wurden aus verschiedenen Ländern Europas berichtet. Selbst die Malaria tertiana, die in Europa seit den 1960er-Jahren des letzten Jahrhunderts als ausgerottet galt, ist 2011 in Griechenland wieder aufgetaucht und hat zu zahlreichen Erkrankungen geführt. Zwei Gründe sind vornehmlich für diese Veränderungen verantwortlich. Aufgrund der globalen Zunahme exotischer Infektionen und des vermehrten interkontinentalen Luftverkehrs reisen immer häufiger Personen mit entsprechenden Infektionen nach Europa ein und bilden somit das Reservoir für weitere Übertragungen. Zum anderen beobachtet man Veränderungen in der Stechmückenfauna. Insbesondere Stechmückenarten, wie etwa Aedes albopictus, die ein hohes Vektorpotenzial für die genannten Erreger besitzen, konnten durch die Globalisierung und Ausweitung des Warenhandels von ihren angestammten Verbreitungsgebieten auf andere Kontinente verbracht werden, um dort neue Regionen zu besiedeln. Auch in Deutschland werden zunehmend neue invasive Stechmückenarten beobachtet, und erste Untersuchungen zeigen, dass hier bisher in heimischen Stechmücken wenig bekannte Krankheitserreger gefunden werden.

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