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Wirtspflanzenfindung und Brutfürsorge der einheimischen Ölbiene Macropis fulvipes

Irmgard Schäffler1, Stefan Dötterl 1, Kathrin Milchreit1
1 Pflanzensystematik, Uni Bayreuth

O 2.2 in Biodiversity and Nature Protection

02.04.2009, 13:30-13:45, H8

Weltweit gibt es ca. 420 Bienenarten, die nicht Nektar und Pollen, sondern fettes Öl und Pollen als Nahrung für den Nachwuchs sammeln (Neff und Simpson 2005). Die meisten dieser Arten kommen in der Neotropis vor (Vogel, 1986). Die einzigen Ölbienen Mitteleuropas sind Macropis fulvipes und M. europaea (Melittidae). Diese sammeln Öl von den in Mitteleuropa vorkommenden Ölblumen Lysimachia punctata, L. vulgaris und L. nummularia. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchten wir die Schlüpfphänologie und das Sammelverhalten von M. fulvipes in einer Flugkäfigpopulation. Um zu prüfen, welche visuellen und olfaktorischen Reize von Lysimachia die Rolle der Anlockung übernehmen, wurden Biotests mit naiven und erfahrenen Tieren durchgeführt. Blüten bzw. das Öl von Lysimachia wurden extrahiert, anhand verschiedener Methoden fraktioniert, chemisch analysiert und auf ihre Attraktivität getestet. Die Bienen zeigten in dem geschlossenen System (Flugkäfig) ein natürliches Verhalten. Alle Tiere schlüpften innerhalb weniger Wochen, die Männchen tendenziell früher als die Weibchen. Danach verpaarten sie sich und Männchen wie Weibchen suchten verschiedene Pflanzen zum Nektartrinken, und Lysimachia zum Pollen fressen auf. Männchen patrouillierten um Lysimachia-Pflanzen, während die Weibchen mit der Nestplatzsuche begannen. Ist der Bau einer Zelle beendet, sammelten die Weibchen Öl von Lysimachia. Öl alleine wird für das Auskleiden der Zellwände eingesetzt. Anschließend wurde Öl und gleichzeitig Pollen gesammelt, das als Larvenbrot dient. Wir konnten beobachten, dass keine Nestplatzsuche stattfindet wenn keine Wirtspflanzen vorhanden sind. Hat ein Weibchen ausreichend Pollen und Öl gesammelt, blieb es für über zwei Stunden im Nest, um ein Ei zu legen, die Zelle zu verschließen und anschließend eine neue Zelle anzulegen. Daraufhin begann sie wieder mit dem Sammeln von Öl. Abhängig von der Art des Sammelns wurden beim Blütenbesuch, Nestaufenthalt und der gesamten Sammelperiode zeitliche Unterschiede festgestellt. Der Duft allein war für blütennaive Bienen am attraktivsten und ist somit der ausschlaggebende Reiz für das Auffinden und Erkennen der spezifischen Wirtspflanzen. Nach dem Besuch von den Wirtspflanzen jedoch änderte sich das Verhalten, denn visuelle Blütensignale erlangten bei den erfahrenen Bienen eine größere Bedeutung als bei den naiven Tieren. Blütenextrakte waren attraktiv und lösten sogar das Sammeln aus, ein Verhalten welches durch Lysimachia spezifische Substanzen ausgelöst wurde. Einzelne Fraktionen des Blütenextraktes zeigten anlockende Wirkung. Diese Fraktionen werden zurzeit chemisch analysiert. Außerdem werden diejenigen Stoffe bestimmt, die von den Tieren gerochen werden können.

last modified 2009-02-27