Auenlehrpfad

Ökologie der Weiden: Forschung

Die hier beschriebenen Forschungsergebnisse gehen aus Kooperationen der Bayreuther Arbeitsgruppen Pflanzensystematik (AG Angiospermen) mit dem Ökologisch-Botantischen Garten und der Mykologie hervor.

 

Bestäubung: Wie läuft das bei den Weidenkätzchen?

Weiden sind zweihäusig - männliche und weibliche Blüten stehen an verschiedenen Individuen in dicht gedrängten "Kätzchen", die sehr zeitig im Frühjahr erscheinen. Welche Strategien verfolgen die beiden Blütengeschlechter, um genug Bestäuber anzulocken? Die männlichen Kätzchen sind leuchtend gelb und viel auffälliger als die weiblichen, rein grünen Kätzchen, dazu duften sie viel intensiver. Sie werden öfter von Bienen besucht als Weibchen, müssen jedoch auch mehr Energie investieren, da sie mehr Duft produzieren und die Pollenproduktion mehr Energie benötigt als die Nektarproduktion der Weibchen. Weibchen werden weniger besucht, die Besuche reichen aber für eine zuverlässige Bestäubung aus.

Weiden werden sowohl durch Insekten als auch durch den Wind bestäubt, sie haben ein gemischtes Bestäubungssystem. Sie locken eine sehr große Zahl an Blütenbesuchern an, sowohl am Tag als auch nachts: Fliegen, Wildbienen, Honigbienen, Tag- und Nachtfalter. Wer/Was ist wie wichtig für eine gelungene Bestäubung? Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Tagbestäubung durch Bienen und Wind von größerer Bedeutung für den Bestäubungserfolg ist als die Nachtfalter und der nächtliche Wind. Trotzdem produziert die Weide auch einen Duftstoff, der speziell die Nachtfalter anlockt. Da schließt sich die nächste, noch ungelöste Forschungsfrage an: Bringt ihr das irgendeinen Vorteil?

Honigbiene WeidenkaetzchenLinks: Eine schon schwer beladene Honigbiene fliegt ein männliches Weidenkätzchen mit prall gefüllten Pollensäcken an (© Jens Wagner).
Rechts: Unscheinbar grüne weibliche und auffällig gelbe männliche Kätzchen der Korbweide (Salix viminalis, © Gregor Aas).

Wissenschaftlich beschrieben in:

Doetterl S, Glueck U, Juergens A, Woodring J, Aas G. 2014. Floral reward, advertisement and attractiveness to Honey Bees in dioecious Salix caprea. PLoS One 9.

Juergens A, Glueck U, Aas G, Doetterl S. 2014. Diel fragrance pattern correlates with olfactory preferences of diurnal and nocturnal flower visitors in Salix caprea (Salicaceae). Botanical Journal of the Linnean Society 175: 624-640.

 

Gallwespen und Weiden: Kinderstube in bunten Blasen

Auf Blättern verschiedener Baumarten lassen sich oft farbige Wülste und Wucherungen beobachten. Diese Wucherungen gehen auf Insekten zurück, zum Beispiel auf die Gallwespen. Sie stechen mit ihrem Legebohrer Blatt oder Stengel der Pflanze an und deponieren ihr Ei darin. Dabei geraten Wirksubstanzen in die Pflanze, die eine Wucherung auslösen: die Pflanzengalle, von der sich die schlüpfende Larve ernähren kann. Auch bei Weiden gibt es Pflanzengallen, die durch die Gallwespe Pontania proxima verursacht werden (->Überblicksseite mit vielen Fotos von Alexandra Kehl).
Aber wie findet die Gallwespe einen passenden Wirt? Die Forscher haben festgestellt, dass blühende Pflanzen stärker befallen sind als nicht blühende und schließen daraus, dass die Gallwespe ihren Wirt am effektivsten über den Blütenduft findet. Der Duft des grünen Blattes hat weniger Bedeutung beim Anlocken.

Gallen auf einer WeideGallwespe Pontania

Geöffnete und geschlossene Galle an Weidenblatt (© Alexandra Kehl) der Weidengallenwespe Pontania proximaCor Zonneveld)

Wissenschaftlich beschrieben in:

Kehl A, Doetterl S, Aas G, Rambold G. 2010. Is flower scent influencing host plant selection of leaf-galling sawflies (Hymenoptera, Tenthredinidae) on willows? Chemoecology 20: 215-221.

 

Weidenarten unter sich: Der Duft entscheidet

Fliegen Insekten verschiedene Weidenarten an, können sich diese untereinander kreuzen: sie bastardieren. Aber ist das so gewollt? Schließlich hieße das, dass die Arten ihre Eigenständigkeit verlieren. Ob und wie kann eine unkontrollierte Kreuzung der Weidenarten durch Insekten verhindert werden?  Im Ökologisch Botanischen Garten der Universität Bayreuth wachsen im sogenannten Salicetum 90 Weidenarten auf 2.000 Quadratmeter. Dort wird auch dieser Forschungsfrage nachgegangen. Viel spricht dafür, dass es der Duft der Weiden ist, der dafür sorgt, dass jede Weiden-Art "unter sich bleibt":

-> Bericht in der BR-Sendung "Querbeet" 04/2016).

Salicetum ÖBG (Bild: BR)Weidenaufzucht im Salicetum des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth (Bild: BR).

 

Zum Weiterlesen:

Vortragsfolien "Weiden (Salix): Diversität, Ökologie und Funktion einer unterschätzten Gehölzgruppe"
(8,5 MB, Autor: Gregor Aas)

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