Kooperation GEOPARK & AquaKlif: Fortbildung "Wasserhaushalt und Klimawandel" - Teil II

Fr. 25.06.2021, Fichtelgebirge

Die zunächst für April geplante Exkursion ins Einzugsgebiet des Lehstenbachs im Fichtelgebirge konnte Ende Juni wie erhofft bei nurmehr einstelligen Infektionszahlen und nicht zu nassem Wetter erfolgreich durchgeführt werden. Verteilt auf zwei Gruppen starteten die Rangerinnen und Ranger des GEOPARK Bayern-Böhmen aus entgegengesetzter Richtung ins obere Einzugsgebiet des Lehstenbachs, um von Mitwirkenden aus dem Projekt AquaKlif mehr über die Forschung an Quellen, im Moor und am Bach zu erfahren.

Die vom Naturfreundehaus durchs Tal heraufwandernde Gruppe machte zuerst am Lehstenbach-Messwehr Station, wo PD Dr. Sven Frei vom Lehrstuhl für Hydrologie die Charakteristika des Einzugsgebiets und die Messungen des Landesamts für Umwelt und der Universität Bayreuth erläuterte.

Die zweite Gruppe startete vom Waldsteinparkplatz kommend am Schlöppnerbrunnen. Diese gut erreichbar am Weg liegende Quelle ist eine von über 100 Quellen in Fichtelgebirge und Frankenwald, die seit 1989 am Lehrstuhl für Biogeografie untersucht werden. Aktuell forscht Timothy Smith aus Südafrika im Quellenprojekt. Er erklärte die Besonderheiten der Quelllebensräume und ihrer Vegetation sowie Effekte von Trockenperioden auf Säure- und Salzgehalt des Quellwassers. Live erlebbar waren neben der pH-Messung auch die Mücken, die bei der Arbeit an Quellen plagen können.

Die beiden mittleren Stationen im Niedermoor und auf einer Moor-Renaturierungsfläche übernahmen Lisa und Robin Kaule vom Lehrstuhl für Hydrologie. Sie zeigten, wie ein „echter“ Moorboden aussieht und sich anfühlt. Im vorangegangenen Sommer hatten sie das Moorgebiet am Lehstenbach neu vermessen. „Gefüttert“ mit aktuellen und differenzierteren Bodendaten kann das Wasserhaushaltsmodell nun den gemessenen Abfluss besser nachzeichnen und genauere Vorhersagen treffen. Ganz klar zeigte sich, dass das Lehstenbachmoor seit der letzten Vermessung auf dem Rückzug ist. Feuchtgebiete gelten als ein wichtiger Hebel sowohl für den Schutz des Klimas als auch die Anpassung an dessen Wandel – im Torf ist viel Kohlendioxid festgesetzt, gleichzeitig sind Moore ein wichtiger Wasserspeicher. Wie also kann man sie schützen?
Sicher nicht, wenn alte Entwässerungen verschlossen werden, danach aber der Harvester bei der Holzernte neue Abflussrinnen ins Gebiet gräbt. Es gilt mit Feingefühl fürs Wasser und seine Wege vorzugehen und bei der Renaturierung sowohl die Wasserrückhaltung als auch die Verdunstung im Blick zu behalten. Zwar wachsen im Zentrum von Hochmooren keine Fichten, wohl aber an deren Rand und in Niedermooren, allerdings meist krüppelige Wuchsformen. Gut gemeinte flächige Fällaktionen der vor ca. 60 Jahren gepflanzten, großen Fichten, die viel verdunsten, können dazu führen, dass der dunkle Moorboden sich ohne Schatten besonders stark erwärmt. Realistische Ziele, differenziertes Vorgehen und ein langer Atem sind bei der Renaturierung von Mooren gefragt.

Es war zu spüren, wie alle sich freuten, wieder gemeinsam draußen unterwegs sein zu können. Manche der Rangerinnen und Ranger hatten schon erste Führungen nach der Corona-Zwangspause gehalten, bei anderen stand dies an, einige sind noch dabei, die erste eigene Führung zu konzipieren. Durch die Fortbildung wurde deutlich: Während die vielfältige Geologie der Region eine Konstante unserer Kulturlandschaft bleibt, kommt mit dem Klimawandel gerade beim Thema Wasser einiges in Bewegung.

 

-> Bericht zu Teil I / Theorie

-> Aktuelles Programm der Führungen im GEOPARK Bayern-Böhmen



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