Lokale Wärmeinseln in Oberfranken als Refugialraum für thermophile Pflanzenarten

Wärmeinseln in Oberfranken

Von 12/2013 bis 12/2015

Mitarbeiter: Andreas Schweiger, Carl Beierkuhnlein

Die ökologischen Spuren des Klimawandels zeigen sich mittlerweile deutlich in Form des globalen Artenrückganges. Neben phänologischen Verschiebungen, einer verlängerter Vegetationsperiode und veränderter Populationsdynamik von Arten werden künftig auch Einflüsse auf die regionale Artenvielfalt erwartet.  Während mobile Arten wie viele Tiere in der Lage sein werden dem Klimawandel räumlich auszuweichen z.B. durch das Abwandern in kühlere Gebiete, sind Pflanzen den raschen Umweltveränderungen durch ihr räumlich begrenztes Ausbreitungsvermögen oft nicht gewachsen.

 

Zum Erhalt dieser immobilen Arten wird in der aktuellen Fachliteratur „assisted migration“, also das künstliche Umsiedeln potenziell gefährdeter Arten in zukünftig klimatisch passende Gebiete vorgeschlagen. Die Diskussion ist aber sehr kontrovers. Werden solche Umsiedlungen von einer Seite als nicht zu verantwortender menschlicher Eingriff angesehen, so stellen anderen die Verantwortungslosigkeit des Nicht-Handelns gegen besseres Wissen und das Akzeptieren regionalen Aussterbens heraus. Da bislang wenig über die ökologischen Auswirkungen derartiger Umsiedelungen auf die Lebensgemeinschaft der Wirtsgebiete bekannt ist, besteht akuter Forschungsbedarf um in Zukunft die richtigen, naturschutzfachlichen Entscheidungen treffen zu können. Auch für die Interpretation biogeographischer Modellierungsergebnisse erwarten wir neue Erkenntnisse. Artverbreitungsmodelle beziehen sich bislang nur auf die zonalen klimatischen Gegebenheiten. Sowohl mikroklimatische Sondersituationen als auch zeitlich begrenzte Fenster günstiger Klimabedingungen werden dabei noch ignoriert.

 

Bei potentiellen Ansiedelungsgebieten für gebietsfremde Arten besteht immer die Frage, inwieweit die lokalen Standortverhältnisse für diese Arten geeignet sind und welche Auswirkungen die Neuzugänge auf die lokalen Lebensgemeinschaften haben. Diese Frage kann am besten an bereits bestehenden Beständen gebietsfremder Arten in unserer Landschaft untersucht werden. Ein solches natürliches Experiment ist durch  thermisch begünstigte Sonderstandorte in Nordbayern gegeben, auf denen teilweise  bereits in den 1960ger Jahren zahlreiche gebietsfremde, wärmeliebende Pflanzenarten ausgebracht wurden.

 

Ziel des Projektes ist es, das Potential dieser thermisch begünstigten Standorte als Refugialraum für gebietsfremde, wärmeliebende Pflanzenarten zu bewerten. Hierzu sollen die aktuellen Bestände der Arten kartiert und mit Aufnahmen aus der Vergangenheit verglichen werden. Zudem sollen die lokalklimatischen Verhältnisse vor Ort mit Hilfe von Klima-Loggern charakterisiert werden.



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